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Nach
einer langen, heißen Pistenfahrt liegt Douz vor mir, ein alter
Karawanenposten am Nordrand des Erg Oriental. Gleich am Ortseingang sehe ich
ein Camp, vor den Zelten stehen herrliche Kamelsättel, verziert mit bunten
Decken, Bommeln und Lederfransen. Tuareg hier in Tunesien? Das kann doch nicht
sein, die geheimnisvollen Ritter der Wüste leben in der Zentralsahara, nicht
in dem kleinen Tunesien zwischen Mittelmeer und Nordrand der großen Wüste.
Ich
stoppe den Wagen und gehe hinüber zu einer Gruppe Männer in blauen Ganduras
und riesigen Chechs, die in der Abenddämmerung im Kreis um ein glimmendes
Holzkohlefeuer sitzen und Tee trinken. Unter den Tamariskenbäumen kann ich
jetzt auch Kamele erblicken. Natürlich handelt es sich bei diesen einhöckrigen
Wüstenschiffen um Dromedare, aber das sagt niemand, auch auf Arabisch heißt
es Djamel. Doch diese edlen, weißen Tiere, die am Boden liegend genüsslich
wiederkäuen, sind keine gewöhnlichen Kamele, wie mir Ali, ein junger
Algerier, stolz erklärt. Es sind die berühmten Meharis, spezielle Reitkamele
auf hohen, schlanken Beinen. Und schon zum zweitenmal treffen sich in Douz
Tuareg aus Ghadames in Libyen und Ouargla in Algerien, um sich mit den
Tunesiern in einem Kamelmarathon zu messen.
Ali
reicht mir einen Tee. Ich wundere mich über das winzige Schnapsgläschen,
doch schon nach einem Schluck, der mir durch und durch geht, weiß ich, dass
man von diesem starken Gebräu nicht mehr trinken kann. Eine ganze Handvoll
schwarzer Tee kommt zusammen mit Unmengen Zucker in eine winzige, bauchige
Teekanne mit wenig Wasser und wird lange gekocht. Wir begutachten die Tiere,
jedes hat das eingebrannte
Zeichen seines Besitzers. Ich stelle mir vor, wie sie in einer langen Karawane
durch die Wüste bis nach Douz gezogen sind, doch Ali lacht nur und zeigt mir
die großen Lastwagen, auf denen sie ankamen. Die Tiere müssen ausgeruht
sein. Er klettert auf das hohe Mehari, ohne dass dieses sich zuvor auf den
Boden legt. Über Knie und Hals steigt er wie auf einer Treppe in den Sattel.
Am
nächsten Morgen reiten die Tuareg leichtfüßig zur Anmeldung, dabei werden
die Tiere der Konkurrenz gemustert. Ganz Douz ist in großer Aufregung. Auch
Ahmed, der Onkel meines tunesischen Freundes Kamel (nein, kein Witz, er heisst
wirklich so), hat ein Kamel im Rennen. Nachdem er im Vorjahr schlecht
abschnitt, hat er das Tier des Siegers, eines Algeriers, gekauft und macht
sich nun große Hoffnungen. Der ganze Ort fiebert mit ihm.
In
kleinen Gruppen besprechen die Reiter die Marathon-Strecke. Der Kurs ist sehr
schwierig, führt querfeldein über hohe Dünen. Bei einer Karawane liegt die
Tagesleistung eines beladenen Tieres bei ca. 35 km, aber hier müssen 42 km in
kurzer Zeit geschafft werden. Ahmed und sein Sohn, der das Mehari reiten wird,
haben täglich trainiert. Sie sind stolz auf ihr weißes, algerisches
Reittier, das sich deutlich von den viel dunkleren und behäbigeren
tunesischen Dromedaren unterscheidet.
Dann
endlich, am Nachmittag, fällt der Startschuss, 55 Tiere traben davon, die
malerisch gekleideten Reiter in schwindelerregender Höhe. Ahmed ist ganz aus
dem Häuschen. Wird sein Mehari es schaffen, sich gegen die beachtliche
Konkurrenz durchzusetzen? Nichts hält ihn auf der Tribüne, so lade ich ihn
und seine Freunde in den Wagen und wir folgen querfeldein der Strecke. Ein
Kamelrennen ist nicht so schnell wie ein Pferderennen und so haben wir genug
Zeit anzuhalten und Ahmeds Sohn, aber auch meinen algerischen Freund Ali
anzufeuern. Doch die Libyer liegen vom Start weg auf den vordersten Plätzen
und die Tunesier weit
hinten. Nach der halben Strecke merke ich, wie schwierig der Kurs ist. Mein
Wagen bleibt auf einer Düne hängen. Das ist zuviel für Ahmeds Nerven. Den
Fahrer des Wagens, der uns herauszieht, bittet er um eine Mitfahrgelegenheit
und ich will nur noch raus aus diesem Dünenmeer.
An
der Tribüne angekommen, sehen wir gerade einen Algerier als erster durchs
Ziel kommen. Also hatte er auf lange Sicht doch die bessere Ausdauer, er
schaffte die Strecke in gut zweieinhalb Stunden. Die Libyer müssen mit Platz
drei und vier vorliebnehmen, die Tunesier liegen abgeschlagen auf den hinteren
Plätzen. Ahmed ist sehr niedergeschlagen, er hatte zu große Hoffnungen. Ali
dagegen ist mit seinem Platz neun ganz zufrieden, mitmachen ist alles für
ihn. Als wir hinüberkommen
zum Camp, treffen gerade die Algerier ein. Sie singen und tanzen ausgelassen,
der Abend endet in einem großen Fest. Es wird ein herzzereißender Abschied
von Ali, der nur durch das Versprechen gemildert wird, ihn in Ouargla zu
besuchen.
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