Bulla Regia
Die punische Gründung wurde um 150 v. Chr. von
dem Berberkönig Massinissa erobert und zur Hauptstadt des numidischen
Reiches. Ab 50 n. Chr. kamen die Römer und statteten die Stadt, deren
Wohlstand durch das fruchtbare Umland bedingt war, mit Forum, Tempeln,
Thermen und Wohnhäusern aus. Das Baumaterial kam aus den nahen Bergen,
der Marmor aus Chemtou und Granit aus England. Die Wohnhäuser sind
besonders gut erhalten und vermitteln einen guten Eindruck von dem Leben
der reichen Bürger. Zum Schutz vor der glühenden Sonne besaßen die Häuser
eine ausgebaute Sommerwohnung im Kellergeschoss, einzigartig in der römischen
Architektur. Die noch gut erhaltenen Thermen wurden von einer wohlhabenden
Bürgerin namens Julia Memmi gestiftet.
Mit dem Einfall der Araber wurde die Stadt zerstört,
nur noch wenige Menschen blieben in ihren Mauern. Nach dem Eindringen der
Beni Hillal-Nomaden im 11. Jh. war der Untergang besiegelt.
1 Zisternen
2
Alexanderkirche
3 Tempel der
Isis
4 Aussichtshügel
5 Jagdhaus
6 Neues
Jagdhaus
Rundgang
Der
Eingang zum Ruinengelände ist gegenüber dem Museum, eine gute
Beschilderung zeigt die wichtigen Plätze an. Geradeaus beginnt ein Weg,
an dem links Zisternen (1) und
auf dessen rechter Seite die gewaltigen Thermen
der Julia Memmi liegen. Von dem luxuriösen Freizeitzentrum sind Kalt-
und Warmwasserbecken mit schönen Bodenmosaiken erhalten. Eine
Besonderheit sind die doppelten Steinbögen über den Portalen. Dahinter
stoßen wir auf Reste des gepflasterten Decumanus, der exakt von West nach
Ost verläuft. Links, nach Ende der Straße, ist die gut erhaltene byzantinische
Festung, die Fernsehantenne zeigt an, dass sie noch heute bewohnt ist.
Weiter nach vorne liegen weitere Zisternen.
Wenn man der Straße nun zurück folgt, kommt man
vorbei am Hauptportal der Thermen und kann schöne Bodenmosaiken erkennen.
Die dahinter liegenden Wohnhäuser zeigen schon eine wichtige Besonderheit
dieser Stadt. Die zweistöckigen Häuser hatten eine Etage zu ebener Erde,
eine weitere in einem Tiefgeschoss. So erhielt man auf dieser
sonnendurchfluteten Ebene natürlich klimatisierte, wunderbar kühle Wohnräume.
Am Straßenrand folgt ein Säulenhalbrund, dessen ursprüngliche
Bestimmung noch nicht ganz geklärt ist, evtl. handelte es sich um eine
Bibliothek. Kurz danach ein schöner Fußboden mit eingelassenem Brunnen.
Hinter der Straßenkreuzung folgt der Tempel
der Isis (3) und das mächtige, noch gut erhaltene Theater.
An der Kreuzung nach oben liegt links der Markt, dann
geht es über einige Treppenstufen zum Forum,
die Pflasterung ist noch nicht vollständig ausgegraben. Über die Straße
am Kapitol, vorbei an einem noch
wenig freigelegten Wohnviertel, stößt man auf eine weitere Gasse. Dort
hoch kommt man zum Aussichtshügel (4) und zu den schönsten Gebäuden der
Stadt, in denen sehr gut die Tiefgeschosse zu besichtigen sind. Die Häuser
wurden wie üblich nach den Motiven der dort gefundenen Mosaike benannt,
die schönsten befinden sich im Bardo-Museum in Tunis. Das Jagdhaus
(5) ist an seinen roten Säulenstümpfen gut erkennbar, über eine
original erhaltene Treppe kommt man zum unteren Geschoss. Dort ist ein von
Säulen umgebener Innenhof und schöne Bodenmosaiken. Das Fischerhaus
ist erkennbar an seinen Bogengängen und einem halbrunden Wasserbecken.
Von dort weiter bergauf gelangt man zum Haus
der Amphitrite mit den schönsten Mosaiken. Spätestens hier, nach
einer erschöpfenden Besichtigung unter knalliger Sonne habe ich mir auch
ein solch herrlich kühles Wohnhaus unter der Erde gewünscht. Die Römer
verstanden zu leben, die Kultur eines solchen Hauses ist gut
nachzuempfinden. In einer Ecke unweit der schönsten Mosaike ist ein
Wasserloch, mit Wasser besprengt werden die Fotos noch einmal so schön.
Wieder zurück auf der Straße zu den Thermen kommt
man noch am Schatzhaus vorbei,
das seinen Namen durch den dort gefundenen byzantinischen Münzschatz
erhielt, der vermutlich wegen dem Einfall der Araber vergraben wurde.
Etwas versetzt dahinter auf einer Anhöhe Reste einer Basilika
aus dem 6. Jh.
Ein kühler Schluck im Museums-Café tut jetzt sicher
Not, auf dieser Straßenseite liegen die südlichen Thermen
und die Alexanderkirche (2).
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