Douz
mit seinen 18.000 Einwohnern - dazu zählen auch die Siedlungen der
Umgebung - bietet eigentlich nicht die geringsten Sehenswürdigkeiten. Der
moderne Ort ist Zentrum der Nefzaoua-Oasen und Heimat der Angehörigen des
Stammes der Mherazig, Nachfahren der Beni Hillal-Nomaden, die im 11. Jh.
in das Land eindrangen. Sie waren ursprünglich Vollnomaden und wurden
erst ab dem französischen Protektorat und vor allem nach der Unabhängigkeit
sesshaft gemacht. Heute gibt es nur noch wenige Familien, die das ganze
Jahr durch die Wüstensteppen bis nach Ksar Rhilane ziehen.
Den Charme von Douz macht vor allem die reizvolle
Landschaft aus, in der es liegt. Das gewaltige Sandmeer des Erg Oriental
reicht bis vor die Tore, auf der anderen Seite die satte, grüne,
wasserreiche Oase. Immer wieder sind zwischen den weißen Dünen kleine
Palminseln, von denen die Legende sagt, dass sich dort Liebespaare trafen
- mit Datteln als Proviant versehen, aus deren Kernen dann die Palmen
wuchsen. Und immer wieder kann man fassungslos staunen, wie mitten aus dem
Sand eine Quelle sprudelt. Zwar gibt es zwei Campingplätze in Douz, doch
ist es noch viel romantischer - mit einem geeigneten Fahrzeug - an den schönsten
Stellen zwischen den Dünen zu campen.
Den zweiten Pluspunkt dieser kleinen Stadt bilden
aber vor allem die Menschen. Wem es gelingt, einzutauchen in deren Alltag,
kann etwas von der Ruhe und Beschaulichkeit tanken, die hier herrscht. Das
Wort Hektik ist unbekannt. Überall sitzen Tag für Tag die Handwerker vor
ihrer Arbeit, ob es nun die berühmten Saharaschuhe sind oder die weiten
Pluderhosen, auch Schreiner und Schlosser, aber immer sind sie umgeben von
einem Kreis von Freunden, die zusehen, ein Glas Tee trinken oder plaudern.
Dazwischen sieht man einen Kreis altehrwürdiger Männer im weißen Burnus
am Boden sitzen und Karten spielen oder mit geschickten Fingern auf einem
Brett mit den Dominosteinen hantieren.
Führer
und andere Anmacher
Leider wird dieses friedliche Bild etwas getrübt
von jungen Männern, die sich oft recht aggressiv an die Touristen hängen.
Ob es nun eine Dromedartour, eine Pistenfahrt oder der Einkauf der
entsprechenden Wüstenkleidung ist, immer schlagen sie eine fette
Provision heraus. Alleinreisende Frauen finden schneller Anschluss, als
ihnen lieb ist, vor allem, wenn sie in den kleinen Hotels im Zentrum
wohnen. Für sie möchte ich je nach Geldbeutel unbedingt die beiden
Hotels im Palmenhain empfehlen, dort wohnt man angenehm ruhig und unbelästigt.
Viele junge Leute schildern sehr plastisch die
Schrecken, die eine Pistenfahrt haben kann, ohne ihre Begleitung natürlich.
Doch für die meisten Ausflüge sind sie nicht nötig, selbst die Fahrt
nach Ksar Rhilane ist gut alleine zu machen. Vorsicht auch für Touristen
mit Mietwagen! Ihnen werden Strecken empfohlen, die nicht unbedingt für
einen Pkw geeignet sind. Aber manchmal bietet die Bekanntschaft mit einem
solchen Mann natürlich auch die Gelegenheit, in eine einheimische Familie
eingeladen zu werden oder Nomaden in ihrem Zelt zu besuchen. Dabei bieten
sich einzigartige Erlebnisse - und Fotos -, die mit dem Führerlohn nicht
zu hoch bezahlt sind. Das erst macht den Reiz von Douz aus. Mir sagte
einmal ein Reisender: "Douz? Da ist doch nichts los, da werden doch
um 20 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt."
Die Abenteuer eines Pauschaltouristen, der mit
Hunderten herangekarrt wird, sind da anders. Er wird, lächerlich
verkleidet, für eine Stunde auf ein Kamel gesetzt und dann im außerhalb
gelegenen Luxusquartier abgeladen. An einheimischer Bevölkerung lernt er
lediglich den Kamelführer kennen. Wie die Menschen leben, wie es bei
ihnen zu Hause aussieht, bleibt ihm völlig unbekannt.
Abseits der in diesem Buch beschriebenen Wüstenpisten
gibt es jedoch im Süden noch viele interessante Dinge zu entdecken, die
oft nur für gut ausgerüstete Fahrzeuge querfeldein zu erreichen sind.
Gute Saharaführer können eine Vielzahl solcher außergewöhnlicher
Punkte nennen, für diese Strecken ist dann tatsächlich ein guter Führer
empfehlenswert. Leider hat es der tunesische Staat versäumt, das Führerunwesen
im Süden zu legalisieren. Würde man den sich als Spezialisten
erweisenden Führern eine offizielle Lizenz erteilen, könnte man etwas
gegen die aggressiven Anmacher unternehmen. So aber bekommen nur gut
ausgebildete Abiturienten ein offizielles Diplom, die Sahara kennen sie
dann noch lange nicht. In der Boutique von Ahmed Zaatouri, Tel. 470577, am Beginn der Avenue des Martyrs kurz
vor dem Souk - er verkauft selbst hergestellte Saharaschuhe und die weiten
"klimatisierten" Pluderhosen - hat sich ein kleines Zentrum
herausgebildet. Hier kann man die besten Tipps bekommen, hier versammeln
sich die guten Führer zu einem Tee, wenn sie gerade keine Kunden haben.
Und hier wird auch respektiert, wenn jemand die Tour alleine machen will,
mit der zur Sicherheit erforderlichen Ausrüstung selbstverständlich.
Erfahrene und zuverlässige Führer: Mohammed und Ahmed Slimane,
chez Fallag, 4260 Douz, Tel. 495495, Fax 470060. Wenn man in Douz nach
diesen Brüdern, die als gebürtige Nomaden sehr gute Wüstenkenntnisse
haben, fragt, wird sofort jeder junge Mann so heißen wollen. Lassen Sie
sich deshalb den Personalausweis zeigen, den jeder ständig bei sich
tragen muss.
Stadtrundgang
Von Kebili aus trifft man auf ein Rondell mit einem Kamelreiter.
Links davon liegt die einzige Bank, danach zweigt die Straße nach Ksar
Rhilane und Matmata ab. Geradeaus geht es ins Zentrum mit dem Marktplatz.
Rechts kommt man, vorbei an der Louage-Station, auf die in der Mitte
geteilte Hauptstraße, die Avenue des Martyrs. In dieser Straße ist das Maison
du Theatre, Treffpunkt und Probenraum der rührigen
Amateurtheatergruppe von Douz, die seit 1985 besteht und schon vier Stücke
herausgebracht hat, die nicht nur in Douz, sondern auf einer Tournee in
ganz Tunesien gezeigt wurden. In dem von der Stadt zur Verfügung
gestellten Haus wurde mit großer Liebe ein Café eingerichtet, das zur
Finanzierung der Vorstellungen beiträgt. Die Stücke sind sehr
anspruchsvoller Natur, das neueste stammt von dem bekannten marokkanischen
Schriftsteller Tahar Ben Jelloun und beschäftigt sich kritisch mit der
Stellung der Frau.
Am Ende ist rechts das ONTT-Informationsbüro,
links das neue Museum, das die
Tradition des Nomadenlebens zeigt. Dort geht es zu den Hotels im
Palmenhain und zu der großen Düne El Hofra mit dem Platz des Festivals.
Der viereckige Marktplatz ist von Arkadengängen
mit Geschäften und Werkstätten umgeben. Dort sitzen geschickte
Schuhmacher, die die typischen Saharaschuhe anbieten. Es gibt sowohl
geschlossene mit hinten hochgezogener Lasche als auch Sandalen mit einer
hochgezogenen Spitze. Beides soll verhindern, dass Sand in die Schuhe
kommt. Ein originelles Souvenir. Ein Original ist Donadoni, Fan eines italienischen Fußballclubs, der seinen
Schuhmacherladen mit allen möglichen Reliquien seines verehrten Vereins
geschmückt hat. Besuchern zeigt er den an ihn gerichteten Brief des
Vereinspräsidenten. Die Boutique von Ali
nebenan bietet die reichste Auswahl an Mergoum-Teppichen, jeder Stamm
hat unterschiedliche Farben und Formen.
Malerischer
Souk am Donnerstag
Zur Versorgung der Bewohner gibt es ein kleines
Marktviertel mit Fleisch, Obst und Gemüse, aber wichtiger ist der Donnerstagsmarkt in der Stadtmitte. Dieser Souk ist der farbenprächtigste
und bedeutendste Markt in Südtunesien. Obwohl schon viele Touristen
kommen, ist er dennoch in seiner Ursprünglichkeit erhalten. Die Stände
werden schon am Mittwochnachmittag aufgebaut, in der Nacht schlafen die
meisten Händler bei ihren Waren. Der Markt beginnt am frühen
Donnerstagmorgen, um die Mittagszeit fahren schon alle wieder nach Hause.
Ein Durchgang führt zum separaten Dattelmarkt, wo das wichtigste
Agrarprodukt des Ortes umgesetzt wird. Der Viehmarkt findet auf einem
gesonderten Platz sehr schön unter schattenspendenden Palmen statt.
Gehandelt werden Hühner, Schafe, Ziegen und Esel, Kamele gibt es nur
wenige. Sie werden nicht auf dem Markt, sondern direkt von Mann zu Mann
gehandelt, der Transport aus der Wüste käme zu teuer. Wenn schon auf dem
Gewürz- und Kleidermarkt kaum Frauen anzutreffen sind, so sind hier die Männer
gewiss unter sich. Da wird gefeilscht und gehandelt, das Tier ausgiebig
geprüft und der Handel mit Handschlag besiegelt. Dazwischen das Blöken
und Meckern der Tiere.
An
der großen Düne El Hofra, die
täglich von Hunderten Fremden zertreten wird und an der leider sogar Geländewagenfahrer
ihre Kräfte messen, entstand in den letzten Jahren ein Komplex mit
3-Sterne-Hotels; ein 4-Sterne-Haus und ein Restaurant waren 1994 im Bau.
Viele Bewohner kämpften dagegen an, konnten aber nichts ausrichten, dem
Staat sind die Devisen der Fremden wichtiger als die Dattelpalmen, der
Massentourismus bringt viel Geld. Die Hotels, jedes mit ein bis zwei
Pools, haben einen ungeheuren Wasserbedarf, und Arbeitsplätze bringen sie
eher Ortsfremden. Immer neue artesische Brunnen fördern Wasser aus großer
Tiefe, darunter gibt es warme Thermalquellen, die nicht nur das Hallenbad
des Hotel Sahara Douz versorgen, sondern auch die öffentliche Hammam (an
der Straße zum Hotel Saharien). Nun soll auch noch ein kleiner Flughafen
für Rundflüge und Ballonfahrten gebaut werden.
Saharafestival
Ein bedeutendes Ereignis für Douz und die vielen anreisenden
Besucher ist das Ende Dezember auf dem Festplatz an der großen Düne
stattfindende Saharafestival. Es gibt Windhundrennen, Kamelkämpfe,
nachgestellte traditionelle Hochzeiten, Musik und Tänze. Zu dieser Zeit
ist ohne Vorbestellung kein freies Hotelbett mehr zu bekommen. Der
pittoreske Kamelmarathon im Mai mit Teilnehmern aus Algerien, Libyen und
Tunesien fand in den letzten Jahren leider nicht mehr statt.
Ghellissia
Wenn man von Douz aus zur Zone touristique fährt, kommt man zuerst zum
Hotel Touareg. Dort zweigt rechts eine Teerstraße ab zu dem nur wenige
100 m entfernten kleinen Dorf Ghellissia, genau wie Zaafrane Heimat des
ehemals nomadisierenden Adhara-Stammes, der von der arabischen Halbinsel
einwanderte. Die Familien haben noch immer ihre Esel, Ziegen und Schafe,
die tagsüber auf den Sandstraßen vor den Häusern frei herumlaufen. Auch
ein paar Kamele, die meist zum Transport der Touristen eingesetzt werden.
Die Kinder haben nun die Möglichkeit zum Schulbesuch, Arzt und Apotheke
sind erreichbar. Die Frauen tragen noch immer ihre wunderschönen
traditionellen, mit silbernen Broschen gehaltenen Gewänder. Neben der
Viehzucht leben die Menschen von den Dattelpalmen, eine Gemüse- oder
Obstkultur in der unteren Etage wird kaum betrieben. Die Frauen weben
Teppiche oder traditionelle Kleidungsstücke zum Verkauf. Manch einer der
jungen Leute hat Arbeit in den neuen Hotels gefunden, doch gibt es auch
viel Arbeitslosigkeit.
Dromedartour
Wer nach Douz kommt, muss natürlich einmal auf dem Rücken eines
Dromedars sitzen. Wo gäbe es eine schönere Landschaft für einen solchen
Ausflug als in den weißen Sanddünen von Douz mit ihren kleinen
Palmeninseln, den Marabuts und Seen. Für ein solches Unternehmen ist man
hier gut gerüstet. In Douz warten 210 Dromedare, in Zaafrane weitere 600
Wüstenschiffe auf Touristen, und sie sind durchaus nicht arbeitslos. Eine
längere Tour sollte man rechtzeitig vorher anmelden. Die Station in Douz
ist zwischen den Hotels Mehari und Caravanserail, die beiden Stationen in
Zaafrane jeweils unübersehbar am Ortsein- und -ausgang. Auf jeden Fall
direkt dorthin gehen und keinesfalls einen Führer einschalten, der eine
gewaltige Provision verlangt. Die Geschäfte in Douz bieten dazu die
bequemen, weiten Saharahosen und einen Chech zum Schutz gegen Wind und
Sonne an.
Folgende Agentur organisiert größere Dromedarausflüge:
Horizons
Dèserts Voyages.
Auch ein zweites, nicht ganz so liebes Tier ist in
der Umgebung heimisch: der Skorpion.
Doch sind zum Glück nicht alle Skorpionbisse tödlich, es hängt sehr
stark von der Verfassung des Gebissenen ab. Bei einem abendlichen Picknick
in der Wüste haben wir zwei Skorpione angetroffen, einer biss unseren
Freund in den Fuß. Die Wunde wurde sofort ausgebrannt, der Fuß
abgebunden, es gab keinerlei Nachwirkungen. |