Hammamet
Das einstige
Seeräubernest - eine arabische Gründung aus dem 16. Jh. um die schon
vorher existierende Festung - mit seiner noch vollständig umwallten
Medina wurde schon in den 20er Jahren von Künstlern und Intellektuellen für
den Fremdenverkehr entdeckt. Besonders der rumänische Millionär
Sebastian, dessen einstige Villa vom Staat aufgekauft wurde und heute als
Kulturzentrum dient, machte den Ort bekannt. Der Boom des heutigen
Massentourismus begann zu Beginn der 60er Jahre, als die ersten
Strandhotels Miramar und Fourati gebaut wurden, hübsch in eine
Gartenlandschaft eingepasste, weitläufige Bungalowanlagen. Das Ortsbild
wurde den Bedürfnissen der Urlauber angepasst, vor den trutzigen Mauern
der Altstadt entstand ein viel größerer, moderner Ort mit 20.000
Einwohnern. Im neuen, gepflegten Geschäftszentrum gegenüber der Kasbah
gibt es chice Boutiquen, Cafés und Restaurants - "man spricht
deutsch". Der Feriengast findet in Hammamet reichlich Unterhaltungs-
und Sportmöglichkeiten, die überfüllten Promenaden zeigen am Abend ein
sonst für islamische Länder ungewöhnliches Leben.
Medina
Sehenswert
ist die kleine, ummauerte Medina, die auf einer Felszunge am Meer liegt,
von beiden Seiten umgeben von herrlichen Sandstränden. Zu Füßen der
alten Kasbah dümpelt in einer hübschen Sandbucht ein kleiner, verträumter
Fischerhafen. Bereits die Römer hatten hier einen bescheidenen Hafen
namens Pupput. Leider ist ein
geruhsamer Bummel durch die engen Gassen nicht möglich. Wer als Fremder
über den großen Vorplatz auf eines der Stadttore zugeht, wird sofort von
einem der Einheimischen mit den Worten "Für Christen verboten, heute
geschlossen" usw. aufgehalten. Das entspricht natürlich nicht der
Wahrheit, der Betreffende will sich lediglich als Führer anbieten, der
nach einem hastigen Rundgang ein gesalzenes Trinkgeld verlangt und die
Besucher überdies noch zu einem Teppichladen führt, um dort seine
Provision zu verdienen. Da hilft nur energisches Abschütteln.
Taschendiebstähle kommen im Umkreis der Altstadt leider vor, besonders
von Kindern, die sich ausländische Münzen umwechseln lassen wollen und
dann geschickt und unbemerkt Scheine aus der Geldbörse stibitzen.
Gleich zu Beginn der Medina ist die Kasbah, die zur Verteidigung des kleinen Fischerdorfes errichtet
worden war. Das Eintrittsgeld kann man sich sparen, es ist nur wenig zu
sehen, das Hübscheste ist der Blick von der hohen Mauer über Stadt,
Bucht und Fischerhafen. Dort befindet sich ein reizendes, aber überlaufenes
maurisches Café. Um die Kasbah herum sind etliche Souvenirläden. Wer
durch die engen Gassen der Wohnstraßen schlendert, kann viele schön
verzierte Haustüren sehen, die zur Abwehr von bösen Geistern mit Glückssymbolen
wie Fischen oder der Hand der Fatima versehen sind. Am äußersten Ende
steigen Treppenstufen zur Umfassungsmauer hoch, von dort hat man den Blick
auf einen islamischen und einen alten christlichen Friedhof.
Centre
Culturel International - Die ehemalige Villa des Hammamet-Entdeckers
Sebastian ist heute in Staatsbesitz und wird als Kulturzentrum genutzt. Im
herrlichen, weitläufigen Park befindet sich ein den antiken Vorbildern
nachgebautes Theater, dort findet jährlich im Juli/August das
Internationale Festival von Hammamet statt. Die prachtvolle Villa ist mit
kostbarem Mobiliar ausgestattet und hat ein wunderschönes
Marmorschwimmbecken. Das Gelände ist häufig geschlossen, dann ist es möglich,
vom Strand aus in den Park zu gelangen. Der Komplex liegt in der südwestlichen
Strandzone neben dem Hotel Continental.
Ausflüge
Zwar
hat auch diese fruchtbare Region eine historische Vergangenheit, Ruinen
sind aber kaum erhalten, da der Boden über die Jahrhunderte hinweg
landwirtschaftlich genutzt und umgepflügt wurde. An der Stelle des
heutigen Hammamet hatten die Römer eine Siedlung mit Namen Pupput, die spärlichen Reste sind in der Nähe des Hotel Samaris zu
besichtigen. Bei Bir Bou Reqba zweigt von der MC 129 ein Weg nach Ksar
Ez Zit ab, dem antiken Siagua,
von dem nur einige byzantinische Festungsmauern in den Gärten vor der
Kaserne den Raubbau der späteren Jahrhunderte überlebt haben. In der Nähe
fand man das der Göttin Tanit geweihte Heiligtum Thinissut,
dessen reiche Opfergaben im Bardo einen eigenen Saal erhielten.
Lohnenswert ist ein Ausflug nach Ksar Ez Zit nur, weil man von den Bergen
hinter der Kaserne einen herrlichen Blick über das Cap Bon hat.
Wesentlich interessanter ist eine Fahrt nach Sidi
Djedidi. Nur wenige Kilometer abseits der Touristenmetropole trifft
man hier äußerst nette, zurückhaltende, aber gastfreundliche Menschen,
ein starker Kontrast zu den oft aggressiven Erlebnissen in Hammamet. Und
außerdem eine herrliche Berglandschaft. Wer kein eigenes Fahrzeug
besitzt, kann diese Fahrt preiswert (ca. 1 D) mit dem öffentlichen Bus
machen, er fährt ab Busbahnhof oder ab Autobahnauffahrt. Die Hotels
verlangen für die Fahrt mindestens 20 D.
Ruinenstätte
- An der Autobahnauffahrt nach Tunis (Hotel Samaris) auf die Straße
nach Hammam Djedidi abbiegen. Nach 10 km folgt Sidi
Djedidi, sehr schön gelegen, flankiert von zerklüfteten Bergspitzen,
zu deren Füßen sich ein See ausbreitet. Auf der Höhe rechts des Dorfes
sind die Reste einer Römerstadt, viele Häuser noch mit Mosaiken. Am schönsten
erhalten ist ein mosaikverziertes, byzantinisches Taufbecken, die
Inschrift eines Bodenmosaiks verrät, dass dort ein Kirchenvorstand namens
Cyprianus begraben wurde. Wenn Sie die Ruinen nicht auf Anhieb finden,
fragen Sie Moncef (Spitzname Tayara, d.h. Flugzeug) im Café
Berber in der Ortsmitte. Die netten Jungs sprechen deutsch und bringen
Sie gerne zu den schönsten Stellen.
Souk am
Dienstag - Dienstags findet ein sehenswerter Markt statt, zu dem die
Bauern der Umgebung kommen, die Frauen in ihren farbenprächtigen Gewändern
und dem schweren Silberschmuck. Als Individualtourist kommt man allerdings
besser nicht am Dienstag, da ist die Hölle los. Busse aus Hammamet
bringen Touristen in Scharen, Plüschkamele und Keramiken werden
rechtzeitig aufgebaut. Ein großes Gebäude am Ortsanfang stellt einen
touristischen Komplex dar, Ausflugsziel für die Urlauber aus Hammamet,
die hier tunesisches Brauchtum kennen lernen sollen.
Im 8 km entfernten Badeort Hammam Djedidi helfen heiße Thermalquellen bei Hautkrankheiten und
Rheuma.
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