El
Kef
Die Gouvernoratshauptstadt mit 42.000 Einwohnern
liegt sehr malerisch auf einem Hang des Hohen Tell und überblickt die
weite Ebene. Bisher vom Tourismus wenig beleckt, erwacht Kef nun aus
seinem Dornröschenschlaf. Der Präsident persönlich hat dafür gesorgt,
dass ein Budget von 300.000 Dinar bereitgestellt wurde, um die antiken
Monumente und die reizvolle Altstadt zu konservieren. Und so wird nun
schon seit Jahren an jeder Ecke gehämmert, Beachtliches wurde bereits
erreicht.
Geschichte
Prähistorische
Funde und neolithische Zeichnungen zeigen die frühe Besiedelung der
Region. Geschichtlich erwähnt wird sie erstmals im 3. Jh. v. Chr. unter
dem Namen Sicca aus Anlass des Söldneraufstands.
Die karthagische Siedlung wurde nach dem 1. Punischen Krieg Verbannungsort
für die unzufriedenen Söldner, die um ihren Lohn betrogen worden waren.
Der Söldneraufstand brach dennoch aus. Berühmt war Sicca wegen der
Verehrung der Göttin Astarte,
von den Römern Venus genannt, die deshalb der Stadt den Beinamen Veneria
gaben. Junge Priesterinnen versahen das heilige Amt der
Tempelprostitution.
Nach dem 2. Punischen Krieg okkupierte der Berberfürst
Massinissa den Ort und machte ihn zu seinem Sitz, bis Caesar Numidien der
römischen Provinz einverleibte; Sicca erhielt vermutlich den Namen Cirta
Nova. Unter den Byzantinern war es wichtige Bastion der Christen und Sitz
eines Bischofs, drei Basiliken stammen aus jener Epoche, aus der
Vandalenzeit blieb eine Kapelle. 688 fielen die Araber ein, sie
verballhornten den Namen zu Shaqbanaria, die Bedeutung nahm ab. Zu Beginn
des 17. Jh. erhielt die Stadt unter dem heutigen Namen - Kef bedeutet
Felsen - neue Bedeutung als Bastion gegen Algerien, die Türken
errichteten 1601 das kleine Fort auf altem Mauerwerk. Die wichtige militärische
Stellung behielt Kef auch nach dem Einmarsch der Franzosen 1881.
Besichtigung
Wenn man gleich am Ortsanfang die bergan kletternde Straße nimmt,
kommt man zum einstigen Palast Bourguibas; er entdeckte bei einem
Erholungsaufenthalt seine Liebe zu der verträumten Stadt. Auf der anderen
Straßenseite ist die wunderschöne Moschee
Sidi Kadouch. Nur wenig danach folgt der kleine, kanonenbestückte
andalusische Platz, der ideale Parkplatz zur Besichtigung. Aber Vorsicht,
nicht an der rotgeränderten Seite mit der Bushaltestelle, dort warten
schon die Parkkrallen! Das Café Andalous ist (noch ?) wegen der niedrigen
Preise zu empfehlen.
In der weisskuppligen Zaouia
Sidi Ben Aissa aus dem Jahr 1784 ist ein sehenswertes kleines Volkskundemuseum.
Das Gebäude gehörte der aus der Kabylei stammenden, bedeutenden
Bruderschaft der Rahmanias. Der prachtvollste Raum hat eine mächtige,
stuckverzierte Kuppel in den Farben weiß und blau, verziert mit dem
hundertfachen Namen Allahs. In vier Sälen sind traditionelle Kleidungsstücke
und Schmuck sowie Gerätschaften ausgestellt.
Kasbah - Weiter
auf der kleinen Straße liegt links die malerische Zaouia Sidi Bou
Makhlouf, aber der dominierende Bau ist die mächtige Kasbah.
Bereits die Punier hatten an dieser Stelle eine Zitadelle, die von den
nachfolgenden Völkern genutzt und erweitert wurde, die Grundmauern
bestehen aus römischen Quadern. Um 1600 wurde das kleine Fort erbaut,
Mitte des 17. Jh. das große Fort, später erweitert, vor allem die Mauer
wurde erhöht. Nach dem Abzug des Militärs 1986 wird die schönste und am
besten erhaltene Kasbah des Landes nun eifrig restauriert und soll bald
ein kleines Hotel, ein Restaurant und ein Kulturzentrum beherbergen, ein
lohnenswertes Unternehmen. Vorläufig bietet sich zumindest eine herrliche
Aussicht auf Stadt und Umland, die roten Ziegeldächer der Häuser stammen
noch aus der Franzosenzeit.
Zaouia Sidi
Bou Makhlouf - Von der Kasbah führen nur wenige Stufen hinab zur
christlichen Basilika aus dem 4.
Jh, in der einige punische und römische Fundstücke ausgestellt sind. Der
Besuch gegen ein kleines Trinkgeld lohnt schon wegen des original
restaurierten Gebäudes. Es wurde vorübergehend durch Anfügung eines
Minaretts als Große Moschee genutzt, der Turm wurde aber wieder entfernt.
Direkt daneben, am romantischsten Plätzchen der Stadt, führen einige
Stufen zur Zaouia Sidi Bou Makhlouf
mit gerippten Kuppeln. In dem Gebäude vom Anfang des 17. Jh. mit
Erweiterungen im 19. Jh. liegen der aus Fes in Marokko eingewanderte
Schutzpatron der Stadt und seine Familie begraben. Der wunderschöne
Kuppelraum lohnt eine Besichtigung (gratis), selbst das Minarett ist zu
besteigen. In dem Gebäude davor, einer alten Pilgerherberge, wurde im
Sommer 1994 das entzückende Hotel
Bou Makhlouf eingerichtet, gegenüber ein maurisches Café. Es ist
wirklich ein Geheimtipp, 45 hübsche Zimmer mit Wasser, warme Duschen außerhalb.
Pkw-Zufahrt von Kasbah möglich.
Venushügel - Wieder
zurück zum Tor des unbewohnten Präsidentenpalastes, dort auf die Piste.
Gleich nach der Schranke liegt links am Hang der jüdische
Friedhof, die Grabplatten sind erst zu sehen, wenn man den Hang
hinaufsteigt. Von der in Kef lebenden jüdischen Kolonie, die ein Viertel
der Einwohner betrug, wurden recht unbekümmert römische Grabsteine zu
eigenen Zwecken umgenutzt. Zum großen Teil blieb die alte Schrift
bestehen, nur manchmal wurde sie durch den Namen des tatsächlich dort
Bestatteten ersetzt. Viele der Inschriftsteine wurden zum Ausgrabungsgelände
in der Innenstadt gebracht. Die beiden Vertiefungen in den Grabplatten
sind jüdischen Ursprungs, dort sollte sich Wasser für die Vögel
sammeln.
Weiter auf der Piste, nach 1 km links durch ein
schattiges Wäldchen (guter Rastplatz), kommt man zu einem vielgenutzten
Brunnen, oberhalb dem der islamische Friedhof liegt. Unterhalb ist der
alte christliche Friedhof, schon vor dem Protektorat lebten viele Europäer
in der Stadt, vornehmlich Italiener und Malteser. Die Gräber sind arg
verschandelt. Zu Füßen dieses Friedhofes liegen die Reste einer
byzantinischen Basilika.
Deutlich zu erkennen ist das Halbrund der Apsis. Diese Kirche war möglicherweise
der Aufbewahrungsort für den magischen Spiegel, von dem die Sage
berichtet, er zeige dem betrogenen Ehemann das Bild seines Nebenbuhlers.
Bis ein junger, christlicher Numider, der in eine schöne Römerin
verliebt war, dadurch erwischt wurde und zur Strafe die Nase abgeschlagen
bekam. Sein erzürnter Stamm stürmte die Kirche und zerschlug den
Spiegel.
Der sich dem Friedhof anschließende Hügel war der Venushügel,
das Zentrum des punischen Sicca. Deutlich auszumachen sind die Fundamente
des Venustempels, außerdem die Spuren einer Festung. Auch auf diesem Hügel
sind einige islamische Gräber, hier werden allerdings nur die Angehörigen
der zahlreichen Zaouias von Kef bestattet. Da diese Kuppe die Kasbah
dominiert, wurden deren Mauern später höhergesetzt.
Vom Hügel aus ist eine schroffe Berghöhe zu
erkennen, auf deren flacher Kuppe haarscharf am Rand ein Dorf sitzt. Diese
Falaise besaß schon in prähistorischer Zeit große Bedeutung. In der
senkrechten Wand sind helle Quadrate neolithischen Ursprungs zu erkennen,
in denen sich drei rote Punkte befinden. Noch heute wird dort ein Kult
abgehalten, bei dem Hühner geschlachtet werden. Vor der Felswand sind die
Reste der einstigen Zisternen, die Piste endet beim Bab Ghdar (d.h. Geheimtor), das nur
zu Fuß zu passieren ist, die Stadtmauer ist hier noch gut erhalten.
Medina - Wieder
zurück zu der Gabelung am Ortsanfang und auf die bergabwärts ins Zentrum
führende Straße. Zu Füßen der Kasbah schmiegt sich eine pittoreske
Altstadt mit engen Gassen und Treppenstufen an, begrenzt von der Avenue
Habib Bourguiba. Im Herzen der Stadt sprudelt eine Quelle, hübsch
eingefasst mit nettem Café, überragt von einem weißen Minarett. Am
besten beginnt man den Rundgang beim gemütlichen ONTT-Informationsbüro
gegenüber dem Hotel Sicca Veneria, dort bekommt man nicht nur jede Menge
Hilfe, sondern vor allem den Mann mit dem Schlüssel für die Basilika Dar
el Kouss. Über die schmale Gasse neben dem ONTT erreicht man das
Ausgrabungsgelände mit Resten der mächtigen Thermen.
Die reiche Quelle wurde schon von den Römern genutzt, wie üblich bewacht
von einem Nymphäum. Auf dem Gelände ist eine kleine Vandalenkapelle aus dem 5. Jh., außerdem sind die römisch-jüdischen
Grabsteine aufgestellt. Gegenüber den Thermen führen Stufen zu den weitläufigen,
unterirdischen Zisternen aus dem
3. Jh. mit einem Mosaikbecken, wirklich beeindruckende Bauwerke, nachdem
der Schutt der Jahrhunderte nun weggeräumt wird.
Die byzantinische Basilika Dar el Kouss, ehemals dem Petrus geweiht, gehört wegen ihrer guterhaltenen, noch überkuppelten Apsis zu den
bedeutendsten byzantinischen Basiliken. Der vordere Teil wurde in französischer
Zeit als Kirche genutzt, im rotgedeckten Haus vor dem Tor wohnte die
Geistlichkeit. Die Kirche ist in friedlicher Nachbarschaft mit zwei
Moscheen vereint, dahinter beginnt die Mellah, das ehemalige jüdische
Viertel. Breite Treppenstufen, an denen Goldschmiede ihre Läden haben, führen
zur Synagoge aus dem 18. Jh. Sie
wurde 1967 verlassen, als die letzten Juden nach Israel gegangen waren,
doch hat sich eine jüdische Gesellschaft nun für die Restaurierung
eingesetzt. Das ständig geöffnete Gebäude beinhaltet alte Dokumente und
Votivtafeln, Gebetsstuhl und Thorarollen und ist kostenlos zu besichtigen.
Nur wenige Treppen höher wird der Marabut von Sidi Bou Loufaa restauriert, etwas danach ist das
Mausoleum Sidi Mlaihi. Dort ist Ali Turki bestattet, der Vater von
Hussein ben Ali, der Anfang des 18. Jh. die Husseinidendynastie begründet
hat. Vor dem Haus ein noch wasserführender Brunnen, in dessen weichen
Sandstein die Seile der Eimer tiefe Rillen gegraben haben. Nur wenige
Stufen noch, und wir stehen wieder vor der Kasbah. |