Mahdia
Die Gouvernoratshauptstadt mit 36.000 Einwohnern
liegt reizvoll auf der felsigen Halbinsel Cap d'Afrique am Meer und hat
einen bedeutenden Fischerhafen. Die Fangergebnisse werden am Ort zu
Konserven verarbeitet. Nur wenige Touristen bleiben in der hübschen
Stadt, die Hotelzone liegt an der nördlichen Küste an einem herrlichen
Sandstrand. Die malerische Uferstraße führt um den Rand der Landzunge
vorbei an Stadtzentrum, Festung und Leuchtturm zu den Hotels.
Geschichte
Schon
die Phönizier erkannten die strategisch günstige Lage und gruben ein
Hafenbecken, das noch heute genutzt wird. Weitere Überreste sind jedoch
weder aus punischer noch aus römischer Zeit erhalten. Im Jahr 1907 wurde
vor der Küste ein 86 v. Chr. gesunkenes Schiff mit Ladung gefunden, es
ist im Bardo in Tunis ausgestellt.
Bedeutung erhielt der Ort erst, als 921 der Fatimide Obayed
Allah El Mahdi seine Residenz von Kairouan in die von 912 bis 920
errichtete und nach ihm benannte Stadt verlegte. Auf der Halbinsel lag die
riesige, nahezu uneinnehmbare Festung, zur Landseite gesichert mit einer
elf Meter dicken Mauer. Nur der ängstliche Pascha, seine Familie und
Soldaten hatten Zugang, die Bürger lebten in der westlich gelegenen
Vorstadt Souila. Nach dem Weggang der Fatimiden nach Ägypten bekam Mahdia
nie mehr einen Rang als Residenzstadt. Im 12. Jh. nahmen die Normannen die
Stadt ein, später die Spanier. Unter ihnen verkam Mahdia von einer blühenden
Handelsstadt zu einem Gefängnis für spanische Sträflinge. Als die
Spanier 1554 abzogen, sprengten sie die Festung, nur wenige Mauern überlebten
die totale Zerstörung.
Stadtrundgang
Das Stadtzentrum liegt am Beginn der Halbinsel nicht weit vom
modernen Fischerhafen. Der Zugang zur Altstadt führt durch die Skifa El Kahla (d.h. schwarzes Tor), dem einzig verbliebenen Torbau
der Stadtmauer. Er wurde erst nach der Zerstörung durch die Spanier mit
den alten Steinquadern erbaut, gibt aber mit einer Tiefe von 44 Metern
eine Vorstellung von der einstigen Stärke. Vom Dach erschließt sich ein
herrlicher Blick über die ganze Halbinsel, doch ist der Aufgang seit
einiger Zeit wegen Baufälligkeit gesperrt.
Gleich hinter dem Tor liegt
das Informationsbüro des ONTT. Die Altstadt hat für eine arabische
Medina unübliche breite, gerade, gepflasterte Gassen, in der Hauptgasse
Rue Obayed Allah el Mahdi sind einige Souvenirgeschäfte, aber auch noch
zahlreiche Läden für den Bedarf der Einheimischen. Die Stadt ist für
ihre Goldschmiede berühmt. Nur wenig abseits dieser Gasse hört man das
Klappern der Webstühle. Noch bekannter sind die hier gefertigten Decken
und Stoffe für traditionelle Frauenkleidung. Die Hochzeits-Melias sind
aus Seide mit Gold- und Silberfäden. Hierhin verirren sich nur wenige
Touristen, die Weber lassen sich gerne über die Schulter schauen und ein
Foto ist gegen ein Lächeln und ein Lob ihrer Arbeit möglich. Etwas
weiter ist auf dem kleinen, baumbestandenen Platz Du Caire ein lauschiges
Straßencafé vor den fayencengeschmückten Toren der Mustapha-Hamza-Moschee.
Besonders
schön ist der Souk am Freitag.
Neben alltäglichen Dingen bietet vor allem der lange Tordurchgang eine Fülle
von Schätzen. Frauen verkaufen handgearbeitete kostbare, golddurchwirkte
Westen, Kopfhauben, Kleider und Tücher für die traditionelle Hochzeit.
In der Gasse hinter dem Torbogen breiten Juweliere auf kleinen Tischen
pfundschwere Arm- und Fußringe aus Gold und Silber aus - unverzichtbare
Geschenke für die künftige Ehefrau und Vermögensanlage. Die reiche
Auswahl zeigt, dass Mahdia kein armer Ort ist. Außerdem werden die in den
Werkstätten hergestellten Seidenstoffe, Burnusse und Wolldecken
angeboten. Weiter zum Hafen zu ist die ausgedehnte Textilabteilung und der
libysche Markt, die Stände werden schon am Vorabend aufgebaut.
Direkt am Meer ist die mächtige, in den 60er Jahren
nach alten Grundrissen neu erbaute Moschee des Mahdi. Sie hat kein
Minarett und wirkt eher wie eine Festung. Vom Hafen aus auf der Uferstraße
nach Westen folgt das Bordj El
Kebir, wie die Skifa 1595 erbaut. Eine Besichtigung ermöglicht
vor allem einen herrlichen Blick auf die Landzunge. Um den Hügel
schmiegen sich malerisch die weißen Grabsteine eines islamischen
Friedhofs, in der Tiefe sind das alte punische Hafenbecken und spärliche
Ruinen zu sehen. Die Straße rund um das Cap führt direkt über den
Friedhof. |