Tunesien - Tunisia - Tunisie
Tunesien home Nach oben

 

Matmata

MatmataMatmata ist der Hauptort (5.000 Einwohner) des gleichnamigen Berglandes und wichtige Station jeder Rundreise. Zunächst sieht man nur die Hauptstraße und einige Steinhäuser inmitten einer hügeligen Mondlandschaft mit verstreuten weißen Marabuts. Erst bei näherem Hinsehen erkennt man gleichmäßig runde Krater inmitten kleiner Erdhügel, die Wohnhöhlen oder Troglodyten der Berberfamilien. Von oben schaut man in einen schachtartigen Innenhof, von dem mehrere Räume abgehen und in dessen Mitte sich eine Zisterne befindet. Ein langer Stollen führt ins Freie, der Eingang ist meist schön ummauert. Die Kinder sprechen die Besucher an und bieten eine Besichtigung der elterlichen Behausung gegen einen Obolus. Oft werden drei und mehr Dinar gefordert, es ist aber zu bedenken, dass der Tagelohn eines Landarbeiters nur 3 D bei 12 Stunden harter Arbeit beträgt und selbst das Bardo-Museum nur 2 D Eintritt verlangt. Bewohnt wird sie von einer Großfamilie, jeder verheiratete Sohn hat einen eigenen Raum, es gibt ferner Küche und Vorratsräume. Die Einrichtung ist erstaunlich gemütlich, eine Besonderheit sind die heute selten gewordenen Möbel aus Reisig, die mit Gips verkleidet und weiß gekalkt werden. Wissenschaftler befanden das Wohnen in einer solchen Höhle als biologisch und angenehm, halten die Lehmwände doch im Winter schön warm und isolieren im Sommer gut gegen die Hitze. Die Herstellungskosten einer solchen Wohnung sind gleich null, wenn man die Arbeit außer acht lässt, doch wer es sich leisten kann, baut ein neues Haus mit Strom und Wasseranschluss. 1959 hat die Regierung an der Straße nach Gabes vor den Dahar-Bergen Matmata Nouvelle gegründet, mit Steinhäusern, Strom, Wasser sowie Schulen. Eine gute Seite des Tourismus ist, dass die Schönheit und Zweckmäßigkeit der alten Wohnformen wieder erkannt wird und etwas für den Erhalt der Troglodyten getan wird, nicht zuletzt mit Hilfe der Besichtigungsgelder.

Lebensgrundlage ist die Landwirtschaft, vor allem die Oliven. So haben einige Höhlen eigene Olivenölpressen, die den Besuchern gern gezeigt werden. Die Trockenheit der letzten Jahre hat der ganzen Region sehr zugesetzt, nur selten können noch Oliven geerntet werden, die Jugend wandert in die Städte des Nordens aus, Arbeitsplätze gibt es kaum. Am Ortseingang von Gabes her ist auf der linken Seite eine Wohnhöhle, die als Museum eingerichtet wurde. Nahebei ist das Syndicat d'Initiative. Im Sommer findet eine Ausstellung von einheimischer Handwerkskunst statt, es werden Folklore und Reiterspiele gezeigt. 

Mehrere Troglodyten wurden zu Hotels umgebaut, in denen man sehr originell, aber recht einfach wohnt. Sie bestehen aus mehreren aneinandergebauten Innenhöfen mit umliegenden, in den Berg gegrabenen Räumen, zu denen man teilweise über eine Strickleiter hinaufsteigen muss. In den Zimmern sind einfache aber saubere Feldbetten oder Matratzen auf Betonsockel. Es gibt einen Sanitärblock mit warmen Gemeinschaftsduschen. Reisegruppen kommen meist nur zum Essen, sie ziehen ein klimatisiertes Luxushotel vor, dabei ist doch eine Nacht in diesen Höhlenhotels sehr reizvoll. Die Übernachtung wird zusammen mit dem Abendessen für 8 - 9 Dinar pro Person angeboten. Die drei Hotels sind recht ähnlich in Preis und Leistung, so dass man sich ganz nach Geschmack und freier Kapazität "seine" Höhle aussuchen kann. Das Marhala hat auch Zwei-Bett-Höhlen, während die anderen meist große Räume mit vielen Betten haben.

Ausflüge - Wer etwas Zeit hat, sollte nicht nur das touristisch überlaufene Matmata besuchen, sondern eine Fahrt in die Umgebung machen, die ebenfalls viele Wohnhöhlen bietet und noch viel ursprünglicher ist. Ein Beispiel ist El Haddej. Dazu Matmata auf der Straße nach Gabes verlassen. Nach 5 km rechts auf die Abzweigung nach El Haddej, 3 km. Der Ort liegt in einer reizvollen Landschaft mit kleinen Schluchten und Palmen, es gibt Unmengen von weißen Marabuts und nur wenige neue Häuser. Kinder laufen sofort auf die Wagen zu und wollen die Höhlen zeigen. Die in manchen Karten eingezeichnete Rückfahrtstrecke über die Berge nach Matmata ist nur ein Eselspfad und für Pkw nicht möglich. Auch Beni Zeltene hat viele Wohnhöhlen mit unterirdischen Ölmühlen und ist ebenso wie Ain Tounine einen Abstecher wert.

 
Home Sahara-Forum Kontakt Online-Shop