Monastir
Schon zu punischer Zeit gab es eine Siedlung; Caesar
verstärkte Ruspina, so der antike Name, mit einem dreifachen Mauerring. Doch
davon blieb wenig; aus der Zeit der arabischen Eroberung hat der Ribat überdauert,
der in Verbindung mit einer ganzen Reihe von Wachttürmen Nachrichten
austauschen konnte. Der heutige Name leitet sich aus dem griechischen
"monasterion" ab, das auf den militanten islamischen Charakter
der damaligen Zeit Bezug nimmt. Zur Zeit der Türkenherrschaft wurden die
Befestigungen verstärkt und eine kleine, von einer Mauer umschlossene
Medina angelegt.
Habib Bourguiba hat seine Geburtsstadt während
seiner Regierungszeit stark ausgebaut und modernisiert, sie erhielt eine
Universität, eine neue Medina mit breiten, geraden Straßen wurde
angelegt. Ein aufwendiges Mausoleum mit goldenen Kuppeln sollte seine
letzte Ruhestätte werden. Doch mit der Absetzung des Vaters der Republik
fiel die Stadt in Ungnade, der große Platz vor der zukünftigen Grabstätte,
die täglich von Tausenden besucht wurde, wo Kameltreiber und
Postkartenverkäufer auf Touristen warteten, liegt verwaist. Trotz der
vielen Urlauberhotels ist Monastir mit etwa 50.000 Einwohnern, wenigstens
außerhalb der Sommersaison, ruhig und beschaulich, hier bekommt man noch
Parkplätze.
1
Marabut Sidi el-Mazeri
2 Moschee
Habib Bourguiba
3 Geburtshaus
von Habib Bourguiba
4 Museum für
traditionelle Kleidung
5
Magasin Générale
6
ONAT-Artisanat
7 Große
Moschee
8 Kleiner
Ribat
Stadtrundgang
- Die neu angelegte, hübsche Marina
verfügt über einen komplett ausgestatteten Jachthafen, voll belegt
von europäischen Booten. Darum herum reizvoll gruppierte Ferienwohnungen,
kleiner Souk, Restaurants, Bank und Post. Im Tauchclub können auch
Unsportliche im Aquamat, einer Art Tauchglocke, untertauchen, um die vielfältige
Welt im Meer zu betrachten.
Von der Marina sind es nur wenige hundert Meter zu
dem direkt am Meer gelegenen Ribat,
der im Gegensatz zu dem von Sousse lange Zeit seine Position als wichtige
Verteidigungsanlage bewahrt hat. Er wurde 796 als Wehrkloster erbaut und
diente der Unterbringung der islamischen Kämpfer mit Gebetsraum und
Beobachtungsposten. Im Laufe der Zeit sind immer neue Um- und Anbauten
erfolgt, so dass die schön restaurierte Anlage sehr verzwickt erscheint.
Im ehemaligen Betsaal im ersten Stock ist heute ein kleines Museum mit Kufihandschriften, alten Münzen sowie Glas- und
Tonarbeiten. Der mühevolle Aufstieg auf den Ribat wird mit einer
herrlichen Aussicht auf Stadt und Cap Monastir belohnt. Schon häufig
wurden die alten Mauern als Filmkulisse genutzt, so 1976 zu "Das
Leben Christi" und später zu "Das Leben des Brian".
Zu Füßen des Ribat die dagegen klein wirkende Große
Moschee (7) aus dem 9. Jh., gleich dahinter sind die weniger
eindrucksvollen Mauern des Ribat
Sidi Douib (8), eines weiteren befestigten Wehrklosters. Vor
dem Hotel Esplanade ragen die Grundmauern eines dritten Ribat aus der
Erde. Westlich dehnt sich ein alter, weitläufiger Friedhof mit weißen
Steinen aus. Viele kleine Koubbas zeigen die Grabstätten von Heiligen an,
der Grabbau des Schutzpatrons der Stadt, Sidi
el-Mezzeri (1) ist besonders schön gestaltet. Er lebte im 12. Jh. und
wird besonders von Frauen verehrt. Viele Gläubige wollen in der Nähe der
Heiligen begraben werden. Über einen weiten Platz kommt man zum
protzigen, goldglänzenden Bourguiba-Mausoleum. Es wurde Anfang der
60er Jahre errichtet. Im rechten Eingangspavillon sind Gräber von
tunesischen Freiheitskämpfern. Das Mausoleum ist zugänglich, eine
offizielle Eintrittsgebühr gibt es nicht. Die Wächter führen gegen ein
Trinkgeld herum.
Habib
Bourguiba - Der Vater der Unabhängigkeit wurde am 3. Juli 1903 in der
Rue Trabelsia in Monastir als Sohn eines Leutnants in der Armee des Bey
geboren. Nach dem Besuch des berühmten Sadiki-Collegs bekam er ein
Stipendium in Paris zum Studium der Rechtswissenschaften. Er heiratete
eine Französin und kam 1927 nach Tunis zurück. Zunächst ließ er sich
als Rechtsanwalt nieder, wechselte aber bald schon ins journalistische
Fach und gründete eine eigene Zeitung, L'Action
tunisienne. In politischen Artikeln griff er die Destour-Partei an,
die in seinen Augen zu traditionalistisch war. Am 2.3.1934 gründete er
deshalb die Neo-Destour, die Tunesien zu einem unabhängigen, modernen,
westlich orientierten Land machen sollte. Die Partei fand unter den jungen
Intellektuellen sowie in breiten Bevölkerungskreisen rasch zahlreiche Anhänger.
Noch im gleichen Jahr wurde Bourguiba verhaftet und
in Verbannung geschickt. Zwar erlangte er 1936 wieder die Freiheit, wurde
aber schon 1938 nach blutigen Unruhen erneut verhaftet und eingesperrt,
zunächst in Tunesien, dann in Frankreich. Von dort befreiten ihn 1942 die
Deutschen, er ging zurück in sein Heimatland. In der Endphase des
tunesischen Freiheitskampfes 1952 wird der Kämpfer erneut verhaftet und
nach Tabarka deportiert.
Aber der Unabhängigkeitswillen des Volkes ist nicht
mehr aufzuhalten. Nach dem 20.3.1956 wird Habib Bourguiba Chef der neuen
Regierung und nach der Absetzung des Bey im Jahr 1957 Präsident der
Republik. 30 Jahre führt er das Land in kleinen Schritten in die moderne
Zeit, gibt den Frauen die Gleichberechtigung und bemüht sich unentwegt um
die Ausbildung seiner Landsleute. Doch mit fortgeschrittenem Alter wird er
unter dem Einfluss einer schweren Arteriosklerose geistig immer
unbeweglicher, und als am 7. November 1987 Zine Al-Abidine Ben Ali überraschend
und unblutig den greisen Staatschef absetzt, stößt dieser Schritt auf
Erleichterung und große Zustimmung in der Bevölkerung sowie im Ausland.
Seitdem lebte der über Neunzigjährige in seinem Palast in Monastir und
starb im Jahr 2000.
Medina -
Schräg gegenüber dem Mausoleum in der Rue de l'Indépendance
entstand 1963 eine Moschee (2)
zu Ehren des berühmten Sohnes der Stadt. Sie ist dem Stil der
Hammouda-Pascha-Moschee in Tunis nachempfunden und aufwendig mit Marmor,
Onyx, Teakholz und Goldmosaiken geschmückt. Auf der anderen Straßenseite
ist das Gebäude des staatlichen ONAT-Artisanats (6). Dann folgt das
kleine Museum für
traditionelle, tunesische Brautkleidung (4). Gleich daneben die
Touristeninformation. Dahinter beginnen die modernen Souks mit einer Reihe
von Souvenirgeschäften.
Die Rue
de l'Indépendance setzt sich fort in der Rue des Tripolitains (arab. Trabelsia),
so genannt, weil sie früher von Einwanderern aus Libyen bewohnt war. Dort
ist am Place 3 Septembre 1934 das Geburtshaus (3) Habib Bourguibas. Das
stattliche Gebäude am Durchgang ist sehr gepflegt, trägt aber keine
Hinweistafel.
Corniche
- Unterhalb des Ribat führt die palmengesäumte Avenue la Corniche zu
der Hotelzone am schmalen Sandstrand. Das Hotel Monastir Beach ist sehr
reizvoll unter die Strandpromenade gebaut und ist so das einzige Hotel in
Monastir-Stadt direkt am Strand. Zu den winzigen Taubeninseln vor dem
Hotel Ribat führt ein Damm. Die Landzunge daneben begrenzt den alten
Fischerhafen und trägt einen weißen Marabut, von hier ergibt sich ein
guter Blick auf Bucht und Jachthafen. Das futuristisch wirkende Restaurant
El Farik im Meer an der äußersten Spitze des Cap bot einst touristische
Folklore, ist aber nun zur üblen Bar heruntergekommen.
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