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Sidi Bou Said 

Sidi Bou Saidmit seinen knapp 5.000 Einwohnern ist einer der teuersten Wohnorte und beliebtes Ausflugsziel der Tunesier wie der ausländischen Urlauber. Die verträumten Ecken und lauschigen Cafés bilden vor allem das Dorado der Verliebten. 1912 entdeckte der französische Bankier Baron d'Erlanger dieses reizende Dorf auf dem hohen Felsen Kap Karthago und war begeistert. Er erwirkte, dass der ganze Ort unter Denkmalschutz gestellt wurde, und bis heute müssen glücklicherweise alle Neubauten im gleichen andalusischen Stil der weißen, kubischen Häuser mit den blauen Holzveranden, Fenstergittern und Nageltüren gebaut werden.

Für einen Besuch von Sidi Bou Said besser nicht das Wochenende wählen, dann herrscht ein ziemlicher Rummel. Die Hotelkapazitäten sind begrenzt, die meisten Besucher fahren nach wenigen Stunden zurück in ihre Quartiere. Man sollte daher unbedingt versuchen, eine Nacht im Ort zu wohnen, erst dann kann man das Flair dieses Künstlerdorfes richtig in sich aufnehmen. In der Saison aber rechtzeitig vorher buchen.

Geschichte

Schon zu römischer Zeit befand sich an dieser Stelle ein mit Tempeln und Palästen geschmückter, reicher Vorort von Karthago. Doch nach der Zerstörung wurde erst wieder im 9. Jh ein Ribat, d.h. ein befestigtes muslimisches Kloster des Sufi-Ordens, gegründet. Im 13. Jh. erlangte der Sufi Abu Said, ein unermesslich reicher Chemiker, bei der Bevölkerung großes Ansehen. Er half nicht nur den Armen, sondern eine Legende erzählt, er hätte bei einem Piratenangriff vom Meer die Kanonenkugeln mit seinem Mantel aufgefangen. Eine andere Geschichte berichtet von der Bekehrung eines mit dem Heiligen befreundeten christlichen Seefahrers zum Islam. Er bat den Alten als Zeichen der Wunderkraft seines Glaubens um ein Mittel gegen Schiffbruch. Abu Said gab dem Kapitän eine Schnur aus Kamelhaar, die um seinen Turban geschlungen war. Als das Schiff eines Tages tatsächlich unterging, wurde die Schnur in so viele Teile geschnitten, wie Männer an Bord waren. Alle erreichten mit dem Stück Schnur bei sich genau zu Füßen des Dorfes Sidi Bou Said lebend das Land, obwohl das Unglück weit entfernt geschehen war.

So erhielt denn auch die Ansiedlung den Namen des Heiligen. Noch heute wird die Grabstelle des Schutzpatrons in der Moschee von der Bevölkerung liebevoll gepflegt und besucht. Im August wird zu seinen Ehren ein Moussem mit Musik, ekstatischen Tänzen und dem Schlachten eines Kalbes gefeiert, das Fleisch an die Armen verteilt. Ein richtiges Dorf entstand erst im 16. Jh., als arabische Flüchtlinge aus Andalusien ankamen und mit ihren kubischen, weißen Häusern mit blauen Veranden das Ortsbild prägten. Mit sich brachten sie ihre Musik, den Maalouf.

Besichtigung

Egal von welcher Richtung der Besucher kommt - auch von der TGM-Bahn, immer erreicht er zunächst den Platz 7. November, das Herz des neuen Ortsteils mit Bank, Post, Supermarkt und Cafés. Autofahrer müssen den Wagen auf dem großen, gebührenpflichtigen Besucherparkplatz abstellen, der alte Kern ist für fremde Fahrzeuge gesperrt, nur Anwohner dürfen passieren. Die Cafe des NattesHauptstraße in das Künstlerdorf geht steil bergan, vorbei an einem Brunnen, dem Heilkräfte zugesprochen werden und der zumindest ein gutes Trinkwasser liefert. Breite Stufen, gesäumt von pittoresken weißblauen Häusern führen direkt zum beliebtesten Treffpunkt, dem 300 Jahre alten Café des Nattes. Dieses im traditionellen türkischen Stil eingerichtete Café - Nattes nennen die Franzosen die Halfagrasmatten, auf denen man sitzt - wurde schon von dem deutschen Maler August Macke gezeichnet und ist seitdem unverändert. Gemütlich wird es erst, wenn die Touristenbusse abgefahren sind. Dann trifft sich die einheimische Jugend mit den wenigen Fremden, die über Nacht bleiben. Da wird geplaudert, Wasserpfeife geraucht, der Jasminverkäufer bietet seine duftenden, Glück bringenden Sträußchen an. Raffiniert ist die Preisgestaltung. Einheimische zahlen nur ein Drittel des Touristenpreises (was man durchaus verstehen kann, bei dem Andrang). Wer aber im Ort übernachtet, wird bald so halb in den Verband aufgenommen und bekommt die niedrigen Insiderpreise. Um das Café die unvermeidlichen Souvenirläden, in denen die für den Ort typischen blauweißen Vogelkäfige aus Draht verkauft werden. Auch ohne Vogel sollen sie dem Haus Glück bringen.

Rechts vom Café führt ein Weg vorbei an den traditionellen Nougatverkaufsständen zu einem hübschen Aussichtspunkt mit Blick aufs Meer und zum Café Sidi Chaabane, auf dessen in Stufen gebauten Terrassen sich eine unvergleichliche Aussicht über den Golf von Tunis und auf die Villa des Baron d'Erlanger bietet, der vor einigen Jahren starb. In dem Haus soll ein Museum eingerichtet werden. Maler und Liebespaare bevölkern die mit Halfagrasmatten gepolsterten Sitzbänke, aber auch Touristen haben schon dorthin gefunden.

Zahllose Stufen den Berg hinunter führen zum Jacht- und Fischerhafen. Wenn am Morgen die Fischkutter vom Fang zurückkehren, warten am Kai die Einkäufer der Fischrestaurants und Hausfrauen. Die Ausbeute ist eher mager und muss doch so viele Familien ernähren. Neben dem Hafen ist ein kleiner Sandstrand, und bis zur Bucht von Amilcar mit einem Strandhotel sind es nur wenige Schritte. Der Platz trägt den Namen mehrerer karthagischer Heerführer, dessen bekanntester im 5. Jh. mit einer Armee gegen die Griechen in Sizilien gezogen war und dort, nachdem die Niederlage drohte, den Opfertod in den Flammen suchte.

TreppenaufgangDie Tunisreise

Im April 1914 brachen die Maler Paul Klee, August Macke und Louis Moilliet zu ihrer später legendär gewordenen Studienreise nach Tunesien auf. Die fremdartigen orientalischen Eindrücke und das einzigartige Licht Nordafrikas inspirierten Macke und Klee zu jeweils über dreißig Aquarellen und Hunderten von Zeichnungen, die in die Kunstgeschichte eingegangen sind. Sie besuchten neben Tunis mit seiner Umgebung noch Hammamet und Kairouan, doch das bekannteste Werk aus dieser Zeit dürfte August Mackes "Blick auf eine Moschee" sein, das ein unverändertes Café des Nattes, überragt vom Turm der Moschee, zeigt. Klee sagt: "Die Farbe hat mich. Ich brauche nicht nach ihr zu haschen."

Mekka der Künstler ist Sidi Bou Said bis heute. Viele Maler haben dort ihr Atelier, wer genug Zeit mitbringt, kann sie tagsüber in romantischen Winkeln beim Skizzieren beobachten und trifft sie abends auf den Terrassen der Cafés. Darunter sind Newcomer wie der junge Zied Lasram, der seine beachtlichen Aquarelle mit heimischen Motiven schon auf Ausstellungen in Hammamet und Tunis zeigte. Aber auch bereits zu Ruhm gekommene Künstler haben ihren Wohnsitz in dem hübschen Städtchen wie El Mekki, Tunesiens berühmtester Maler, der das Dekor der tunesischen Geldscheine, der Dinarmünzen und vieler Briefmarken entworfen hat, auch Hedi Turki, Jalel Ben Abdallah, Rachid Koraichi und viele andere.

Unterkunft

Es gibt direkt im Ort nur zwei Hotels, die sich vom Preis her gewaltig unterscheiden.

** Dar Said, Rue Toumi, Tel. 71 729 666, Fax 71 729 599, www.darsaid.com.tn, E-Mail darsaid@gnet.tn

An der Straße rechts vom Café des Nattes liegt in einem herrlichen Garten mit Blick aufs Meer das große, alte Haus mit gekacheltem Innenhof und Pool. Nach jahrelanger Renovierung ist dort nun ein exquisites Hotel mit nur wenigen Zimmern bzw. Suiten entstanden, die für zwei Personen zwischen 225 und 425 TND kosten. In der hauseigenen Hammam kann dann ein Bad mit Massage bestellt werden.

Bou Fares, Tel. 71 740 091, Fax 71 728 868, E-Mail hotel-boufares@gnet.tn

100 Meter links hinter Café des Nattes. Um einen schattigen Innenhof mit altem Feigenbaum und blühenden Jasminbüschen gruppieren sich die Zimmer unter Tunnelgewölben. Die Zimmer wurden schön renoviert und haben nun ein Bad. Nette, familiäre Atmosphäre. DZ ca. 18 TND ohne Frühstück.

 
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