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TUNIS

Die tunesische Hauptstadt liegt im Nordosten des Landes am Golf von Tunis, vom Meer getrennt durch eine Lagune und den flachen Binnensee El Bahira, in dessen Mitte eine winzige Insel die Ruinen eines ehemals spanischen Kastells trägt. Direkt an der Küste sind die Vorstädte La Goulette mit dem großen Hafen, der Industrieort Le Kram, der Villenvorort Karthago mit Ausgrabungsstätte und Präsidentenpalast, das malerische Künstlerdorf Sidi Bou Said und die Badeorte La Marsa und Gammarth. Sie sind mit der Stadt durch einen Damm verbunden, auf dem eine Autostraße und die Trasse der Schnellbahn verläuft. Tunis hat 825.000 Einwohner, im Großraum mit allen Vorstädten leben aber fast zwei Millionen Menschen. 

Geschichte

Schon bevor die Phönizier die tunesische Küste erreichten, war Tunes eine Berbersiedlung. Ihr Fürst war es, der später Elyssa Land zur Gründung Karthagos überließ. Die kleine Siedlung blieb jedoch bedeutungslos, bis die Araber das Land eroberten. War für alle vorherigen Eroberer der Hafen wichtig gewesen, zählte für das Reitervolk mehr die günstige Lage zwischen den Binnenseen. Sie bauten im 8. Jh. die Ölbaummoschee, und der letzte Aghlabidenherrscher Ibrahim II verlegte 894 seinen Sitz nach Tunis. Die nachfolgenden Fatimiden residierten bereits wieder in Mahdia.

In den wechselvollen Jahren, die für das Land folgten, herrschte in der Stadt meist Frieden und Wohlstand. Ein Statthalter von Tunis, der Almohade Abd Al-Wahid ibn Hafs, begründet schließlich die Dynastie der Hafsiden, die mit Sitz in Tunis das Land über drei Jahrhunderte regierte. Abu Zakariya (1228 - 1249) ließ um die Ölbaummoschee die ersten gedeckten Souks anlegen, die Kasbah ausbauen und prachtvolle maurische Gebäude errichten.

Im Jahr 1534 lagen die Türken zum erstenmal vor Tunis. Der Hafside El-Hassan floh und überließ die Stadt den Angreifern. Darauf landeten die Spanier im Jahr 1535 vor La Goulette, um die Türken zu vertreiben. Nach dem Sieg wurde Tunis grausam geplündert, El-Hassan erhielt unter der Oberaufsicht der Spanier sein Amt zurück. Doch vierzig Jahre später eroberte Sinan Pascha endgültig Stadt und Land für das osmanische Reich und setzte einen Statthalter ein. Für über 300 Jahre wird Tunis Hauptstadt der osmanischen Provinz und in den Bauten stark von den Türken geprägt; auch die aus Andalusien vertriebenen Mauren brachten neue Gewerbe und Wohlstand und beeinflussten Architektur und Kunst.

Im Jahr 1881 marschieren die Franzosen in Tunesien ein. Das Land wird französisches Protektorat, der türkische Bey bleibt formal in seinem Amt, Tunis ist weiterhin Sitz der Regierung, was es auch nach der Unabhängigkeit bleibt. Das Europäerviertel zwischen der Medina und dem See El Bahira - die französische Botschaft war schon 1862 vor der Stadtmauer errichtet worden - wurde ausgebaut im europäischen Stil mit breiten Boulevards, Verwaltungs- und Geschäftsgebäuden sowie Wohnanlagen im Grünen. 

Tipps zur Stadtbesichtigung - Die Besichtigung ist am besten zu Fuß möglich. Jeder Tag endet in einem unübersehbaren Verkehrschaos, Parkplätze sind kaum verfügbar, erst recht nicht bewacht, Parksündern wird unerbittlich eine Kralle an die Räder montiert. Der öffentliche Nahverkehr ist sehr gut ausgebaut, es gibt Busse und die - überirdische - Metro. Außerdem die alle 20 Minuten verkehrende TGM-Bahn (TGM = Tunis - La Goulette - La Marsa), vor mehr als hundert Jahren von den Italienern gebaut. Sehr bequem und billig sind die Taxis, die man per Handzeichen rufen kann. Sie haben einen Taxameter, eine Fahrt quer durch die ganze Stadt kostet kaum mehr als 1 D. Ab 21 Uhr wird ein Nachtzuschlag von 50 % erhoben. In der Touristeninformation ist ein genauer Stadtplan von Tunis und speziell von der Medina kostenlos erhältlich.Stadtplan

 

1 Theater

2 Markthalle

3 Moschee Sidi Mehrez

4 Dar El Bey

5 Moschee Youssef Dey

6 Tourbet El Bey

7 Dar Ben Abdallah

8 Moschee Ez-Zitouna

9 Moschee Hammouda Pascha

10 Jugendherberge

 

Neustadt - Zentrale Ader der Neustadt ist die Avenue Habib Bourguiba, die auch nach dem Sturz des greisen Staatschefs ihren Namen nicht verloren hat. Anders erging es seinem Reiterstandbild auf der Place d'Afrique (heute Platz 7. November) am östlichen Ende, es wurde nach Ben Ali's Machtübernahme entfernt und durch eine hässliche Uhr auf einem Betonsockel ersetzt. Die Prachtstraße beginnt am Lac (See) de Tunis, dort ist der Bahnhof des TGM-Zuges. An der Kreuzung mit der Avenue Mohammed V liegt die Hauptverwaltung des ONTT (Office Nationale du Tourisme Tunisien). Dahinter erhebt sich die umgekehrte Pyramide des Hotel du Lac. In der Avenue Mohammed V ist das ONAT-Artisanat, eine große, staatliche Ausstellung mit Waren des traditionellen Kunstgewerbes. Diese haben Festpreise, eine gute Gelegenheit, sich über die Preise zu informieren. Gegenüber ist die Galerie Yahia, in der regelmäßig Gemäldeausstellungen gezeigt werden.

An der Avenue folgen nun das gut bewachte Innenministerium und das 21-stöckige Luxushotel Africa, von dessen Dachrestaurant man einen herrlichen Blick über die Stadt hat. Ferner gibt es eine große Anzahl von kleineren Hotels, Reisebüros, Banken, Galerien, Autovermietungen, Kinos und Cafés mit einer baumbestandenen Promenade in der Mitte. Diese erinnert mit ihren Blumenständen und Kiosken - es gibt auch ausländische Zeitungen - ein wenig an die Ramblas in Barcelona. In den Baumwipfeln treffen sich am Abend Hunderttausende von Staren zu einem Höllenkonzert. Am späten Nachmittag ist diese Promenade ein beliebter Flanierboulevard der Einheimischen wie der Touristen.

An der Kreuzung mit der Avenue de Carthage ist auf der Promenade ein Kiosk des ONTT, dort gibt es einen guten Stadt- und Medinaplan. Kurz danach das von den Franzosen erbaute Stadttheater (1), in dem beachtliche Inszenierungen gezeigt werden. Ein Besuch in diesem Jugendstil-Palast mit seinen roten Plüschsesseln hat auch seinen Reiz, wenn man die arabische Sprache nicht versteht. Theater hat im Land bereits eine Tradition, das erste tunesische Drama wurde im Jahr 1911 aufgeführt. Das Colisée auf der anderen Straßenseite ist ein Treffpunkt der tunesischen Jugend. In der Ladenpassage gibt es außer einem Kino vor allem ein großes Café, hinter dessen dezenten Vorhängen sich die männlichen Einwohner in der Dämmerstunde zum Bierkonsum treffen. Etwas weiter das El Hana International, das zweite große Hotel des Boulevards mit einem beliebten Café und der Disco Joker. Die breite Avenue Habib Bourguiba endet am Place de l'Indépendance mit einer Statue des berühmtesten Sohnes der Stadt, des Philosophen und Historikers Ibn Khaldoun.

Ibn Khaldoun - wurde 1332 als Sohn reicher andalusischer Flüchtlinge in Tunis geboren. Nach seiner Ausbildung an der Ez-Zitouna ging er zum Studium von Logik, Mathematik und Koran an die berühmtesten Universitäten der islamischen Welt, wo er als Professor lehrte und in den Wirren der damaligen Zeit ein sehr unstetes Leben zwischen höchsten Ämtern und Kerker führte. Berühmt wurde er als Historiker und er verfasste ein Werk zur modernen Geschichtsschreibung. Er starb 1406 in Kairo. 

Gegenüber die katholische Kathedrale aus dem Jahr 1882, in der täglich Messe gelesen wird. Die Avenue de France als Fortsetzung ist schmaler, an ihr liegt die französische Botschaft. Viele der Gebäude stammen noch aus der Kolonialzeit, in einem ist das Magasin Générale, ein Kaufhaus mit mehreren Etagen. Unter den Arkaden haben Schuhputzer schon recht etablierte Stationen mit Batterien von Bürsten und Cremes aller Farben. Die Grenze zwischen Alt- und Neustadt schließlich ist die Porte de France oder Bab Bhar (Meerestor). Rechts dahinter die englische Botschaft in einem weißgrünen Haus im andalusischen Stil.

Aber nicht nur die breite Hauptader, auch die Seitenstraßen sind überaus belebt. Tunis ist ein richtiges Einkaufsparadies mit einfachen und eleganten Läden. Die Hauptgeschäftsstraße ist die Rue Charles de Gaulle. Dort ist die Kaufhalle Monoprix mit recht günstigen Preisen und Alkoholverkauf, letzterer allerdings nicht am Freitag. Gegenüber in der bekannten Patisserie Ben Yedder in reicher Auswahl köstliche Torten und Gebäck, die jeder Tunesier heiß und innig liebt. Etwas weiter folgt die große, nur vormittags geöffnete Markthalle (2) mit einem unübersehbaren Angebot an Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch. Auch ausländische Wurst und Käse sind zu haben. In der gleichen Straße liegt die Hauptpost. Einen Besuch wert ist die Parallelstraße zur Habib Bourguiba, die Rue Yougoslavie, da dort und in der kleinen Seitenstraße Ibn Khaldoun viele preiswerte Restaurants und Hotels sind.

In der Avenue de Paris liegt das französische Kulturzentrum mit Bibliothek und das Hotel Majestic. Fortsetzung ist die Geschäftsstraße Avenue de la Liberté, gegenüber dem schwerbewachten Rundfunksender ein moderner Monoprix-Supermarkt. Die Straße endet am Belvédère-Park, einem beliebten Sonntagsausflugsziel. Dort ist der Zoo, Eingang an der Südspitze neben einem kleinen See mit hübschem Gartencafé. Von der Koubba auf dem Hügel, einem Pavillon aus dem 18. Jh., bietet sich ein schöner Blick über die Stadt. Im Park ist außerdem das Museum für moderne Kunst, in dem Werke zeitgenössischer tunesischer Maler ausgestellt sind.

Am Bab Souika, nordöstlich der Medina, ist das Halfaouine-Viertel völlig neu entstanden. Dieser Bezirk, der seinen Namen von den früher dort ansässigen Halfagrasmatten-Flechtern erhielt, war vor Jahren einer der schlimmsten Stadtteile mit abbruchreifen Häusern. Die wichtige Durchgangsstraße wurde teilweise unter die Erde verlegt, die verfallenen Häuser abgerissen, andere saniert. So entstand ein beeindruckendes Wohn-, Büro- und Geschäftsviertel im islamo-arabischen Stil in den Farben weiß und grün. Das alte Mausoleum des 1022 gestorbenen Medina-Schutzheiligen Sidi Mehrez (3), einem Beschützer der Armen, zu dem vor allem junge Frauen kommen, die einen Ehemann suchen, wurde in die moderne Konstruktion integriert. Leider ist Nichtmoslems der Zutritt zu dieser prächtigen Grabstätte nicht gestattet, obwohl auch unter den Touristinnen wohl so manch ein heiratswilliges Mädchen sein mag. Im Jahr 1991 hat der Rat der arabischen Wohnungsbauminister Tunis für dieses Projekt mit einem Preis geehrt. Besonders stolz ist man darauf, dass nur einheimisches Material und Technik verwendet wurden.

Das bisher brachliegende Gebiet um den Lac de Tunis wurde in den vergangenen Jahren zu einem neuen Stadtviertel für 500.000 Bewohner ausgebaut, mit dem Einkaufscenter Lac Palace und einer Moschee. Im Süden der Stadt ist der islamische Friedhof Djellaz, überragt vom Heiligtum des Sidi Bel Hassen. Dieser weitgereiste Mann brachte im 13. Jh. den Kaffee nach Tunis. Von dem Hügel bietet sich bei guter Sicht ein herrlicher Ausblick über die Stadt und den Lac de Tunis bis zu dem Künstlerstädtchen Sidi Bou Said. 

ParfumladenMedina - Traditionell war eine arabische Altstadt klar nach Geschäftszweigen gegliedert, nach denen die engen, labyrinthartigen Gassen benannt sind. Die meist winzigen Räume, nachts von einem schweren Holztor verschlossen, dienen als Werkstatt und Verkaufsladen zugleich, der Händler sitzt auf einem Teppich inmitten seiner Waren, der Mützenmacher im Souk El-Chechia kämmt das filzige, rote Modell und verkauft es zugleich, Djellabahs werden in 1x2 m kleinen Räumen von flinken Fingern mit feinen Stickereien versehen.

Abseits der touristischen Hauptstraße bietet die Medina von Tunis dieses jahrhundertealte Bild noch immer dem Touristen, daneben besitzt sie gut 700 historische Bauwerke, darunter über 100 ehemalige Paläste reicher Kaufleute und Offiziere, 200 Moscheen, gut 100 Mausoleen sowie 40 Koranschulen und ist damit einzigartig in Nordafrika. Einige Moscheen können zwischen 8 bis 12 Uhr, außer Freitag, von Nichtmoslems besucht werden. Die zur Besichtigung freigegebenen Sehenswürdigkeiten kosten 1 D Gebühr plus 1 D für die Fotoerlaubnis, eine Karte berechtigt zum Eintritt in alle Bauwerke am gleichen Tag. Deshalb am besten frühmorgens starten. 1992 wurden zahlreiche Baudenkmäler gerade restauriert, die Arbeiter erlauben meistens einen Blick in den Innenhof. Andere Bauten sind heute bewohnt und dadurch nicht zugänglich, wie z. B. der Tourbet Laz. Lediglich in den Straßen mit Souvenirgeschäften versuchen die Händler, Touristen in ihre Läden zu locken. Man sollte jedoch nicht nur die Hauptstraße Djamaa Ez-Zitouna ablaufen, sondern sich auch mal in die kleinen Gassen wagen, sie sind viel interessanter und typischer. Eine mit "Impasse" bezeichnete Straße ist immer eine Sackgasse, folgen Sie den "Rue's". 

Medina-Rundgang - Das Tourismusbüro hat einen Rundgang zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbildlich ausgeschildert, ein entsprechender Plan der Medina mit eingezeichnetem Rundweg und kurzer Erklärung der wichtigsten Bauwerke ist - in französischer Sprache - kostenlos bei den Informationsstellen erhältlich, zudem gibt es an den wichtigen Eingängen Übersichtstafeln, die Straßen sind sehr gut in arabischer und französischer Sprache beschildert. Das Problem der lästigen Schlepper, die eine Führung anbieten, die dann in einem Teppichladen endet, stellt sich somit nicht, die Altstadt von Tunis ist im Gegensatz zu den Medinas anderer nordafrikanischer Städte sehr geruhsam und ohne Belästigung zu durchwandern, auch Diebstähle sind eher selten. Das heißt jedoch nicht, dass man sein Geld nicht sorgsam verwahrt.

Ausgangspunkt ist der Place de la Kasbah. Von der alten Zitadelle blieb lediglich die Kasbah-Moschee bestehen, heute ist der mit Marmor gepflasterte Platz mit modernen Verwaltungsgebäuden bestückt. In dem parkplatzarmen Tunis ist dort noch am ehesten eine Parkmöglichkeit zu ergattern. In der Nähe liegt das an seinen zwei Kuppeln erkennbare, berühmte Sadiki-College, das 1874 von Mohammed es-Sadok Bey zur Ausbildung der jungen Elite gegründet wurde. Tatsächlich waren die meisten bedeutenden tunesischen Politiker und Intellektuellen auf dieser Schule und treffen sich noch immer in dem elitären Club der ehemaligen Schüler.

Am Place de Gouvernement ist der Dar El Bey (4) mit Türwächtern in goldglänzender Uniform. Dieses ehemalige Gästehaus und zeitweise Residenz der türkischen Statthalter wurde 1795 unter Mithilfe von marokkanischen und andalusischen Kunsthandwerkern errichtet und ist seit der Unabhängigkeit Sitz der Regierung. Die äußere Fassade ist schlicht, innen soll das leider der Öffentlichkeit nicht mehr zugängliche Gebäude von außerordentlicher Schönheit sein. Der Rundweg biegt noch vor dem Dar El Bey - am Tourbet Laz - rechts ab. Ein Tourbet ist ein Grabgebäude für eine hochgestellte und verehrte Person, meist gekrönt von einer Kuppel, schlicht weiß oder mit grünen Ziegeln gedeckt. Am Aziza-Hospital vorbei sieht man schon von weitem das achteckige Minarett der Moschee Youssef Dey (5), 1616 am Rande des türkischen Souks errichtet. Das schlanke, spitz zulaufende Minarett mit einem Rundgang, von dem der Muezzin zum Gebet ruft, war das erste seiner Art in Tunis und inspirierte die nachfolgenden Baumeister. Youssef Dey erhielt dort mit einigen seiner Familienangehörigen seine letzte Ruhestätte. 

Die Souks - Hinter der Moschee liegt links der erst Ende des 19. Jh. erbaute Souk El-Islam, der aber nie so recht angenommen wurde und meist Büros enthält. Der Circuit dagegen biegt rechts in den türkischen Souk Birka ab. Auf dem quadratischen, gedeckten Platz mit den rotgrünen Säulen wurden vor Zeiten die schwarzen Sklaven zum Verkauf angeboten. Heute haben die Schmuckhändler den Platz in ihrer Hand. Beachtenswert sind die wunderschön bemalten Holzfassaden der Läden. Der weitere Weg trifft auf den Souk Leffa. Dort sind die großen  Teppichgeschäfte Musée des Turcs, Maison d'Orient und Palais d'Orient in früheren Offiziers- und Kaufmannshäusern mit schön gekachelten Dachterrassen, die ehemals den Damen des Hauses zum ungestörten Aufenthalt vorbehalten waren. Vielfach wird man zum Besuch dieser Dachgärten aufgefordert, ein reizvoller Punkt nicht nur für Fotografen. Allerdings muss man sich anschließend die verschiedenen Teppiche erklären lassen und eine gute Ausrede suchen, um ohne Kauf wieder hinaus zu kommen. Doch ist das durchaus möglich. Die schönste Terrasse hat das Palais d'Orient mit einem alten französischen Kamin und Wandmosaiken mit Szenen aus dem Leben am Hof des Sultans. In den unteren Räumen steht ein goldverziertes Bett.

Dann stößt man auf den Souk des Etoffes (Stoffe). Dort gleich rechts um die Ecke ist die Medersa Mouradia. In den Räumen der maliktitischen Koranschule aus dem 17. Jh. lernen heute junge Handwerker ihr Gewerbe. Der gedeckte Souk des Femmes geht bald über in die offene Handwerkerstraße Rue Tourbet El Bey. An der Ecke zur Rue Sidi Kaday El Houait ist der kleine Kuppelbau Msid El Koubba, die ehemalige Schule des Ibn Khaldoun. Etwas weiter folgt das mit mehreren grünen Kuppeln gekrönte Tourbet El Bey (6). Diese Grabstätte der Husseiniden-Beys wurde 1762 im Stil eines orientalischen Palastes errichtet. Die vom Innenhof abgehenden Räume enthalten die Marmorsärge verschiedener türkischer Herrscher, ihrer Familienangehörigen und der treu ergebenen Hofbediensteten. Eine steinerne Kopfbedeckung gibt den jeweiligen Rang an.

Der touristische Pfad führt nun durch stille Wohnstraßen. Beachtenswert sind die mit Nägeln verzierten Haustüren und die Türklopfer in Form einer Hand. Die "Hand der Fatima", benannt nach der Tochter des Propheten, ist ein oft verwendeter Glücksbringer. Etwas abseits der Straße, aber wiederum gut ausgeschildert, liegt das Volkskunstmuseum Dar Ben Abdallah (7). Dieser Palast aus dem 18. Jh. kam 1875 in den Besitz von Mohammed Ben Abdallah, dessen Namen das Gebäude trägt. Nach der Unabhängigkeit richtete die Regierung darin ein Museum ein. Im Zentrum ein gepflasterter, quadratischer Innenhof mit Springbrunnen, umgeben von einem Bogengang mit herrlich gekachelten Wänden. Von dort gehen die einzelnen Räume ab, die reich dekoriert und im Stil der damaligen Zeit eingerichtet sind. Lebensgroße Puppen in Originalkleidung stellen Szenen aus dem Leben einer reichen Familie dar.

Der Rundgang biegt nun links in die Rue des Teinturiers (Färber) ab, dort ist die gleichnamige Moschee mit Koranschule, errichtet 1716 durch den Begründer der Husseinidendynastie. Traditionell hat jeder Souk seine eigene Gebetsstätte, damit die dort Beschäftigten ohne Schwierigkeiten der Verpflichtung zu den fünf täglichen Gebeten nachkommen können. Gleich an der Moschee geht ein Weg zum Dar Othman, einem der schönsten und ältesten Paläste der Stadt (ca. 1600). 1992 wurde das Gebäude renoviert und soll später als Museum dienen. Heute gibt es in der Rue des Teinturiers keine Färber mehr, es überwiegen Lebensmittelgeschäfte und Werkstätten, aber in einigen kleinen Nebengassen kann man noch gefärbte Wollstränge vor den Häusern trocknen sehen. Von der Färberstraße gleich in die nächste Straße links abbiegen und den Wegweisern durch schmale Gässchen folgen. So gelangt man zur Medersa Slimania mit einem von Säulen getragenen Vordach, die zu einem Komplex von drei aneinandergrenzenden Koranschulen gehört. Eine Medersa (Mehrzahl: Medressen) diente zum Studium des Koran und gleichzeitig zur Beherbergung der aus dem ganzen Land stammenden Schüler. Die Slimania wurde 1756 von Ali Pascha gegründet und trägt den Namen seines Sohnes, heute dient sie wie die übrigen Medressen anderen Zwecken, ein Blick in den Innenhof mit den markanten, schwarzweißen Bogen ist jedoch gestattet. Gleich um die Ecke, im Souk des Libraires 27 (Buchhändlersouk), ist die von Ali Pascha 1752 erbaute Medersa El-Bachia. Das Innere enthält die Grabstätte des Ali Pascha, überragt von einer grünen Kuppel. Im überdeckten, mit rotgrünen Säulen geschmückten Durchgang ist die traditionsreiche Hammam Kachachine, in der Männer neben einem Dampfbad die Möglichkeit zu einer Massage haben, und das Café Kachachine, das den besten türkischen Kaffee der ganzen Medina braut, aromatisiert mit einem Schuss Jasminblütenwasser. Im Haus Nr. 11 schließlich die kleine Medersa du Palmier, die ihren Namen von einer in ihrer Mitte wachsenden Palme erhielt, sie ist aber leider nicht zur Besichtigung geöffnet.

Der Souk des Libraires führt nun geradewegs zum Souk der Trockenfrüchte und zur Moschee Djamaa Ez-Zitouna (Ölbaum) (8), der Haupt- und Freitagsmoschee. Die Gründung geht auf das Jahr 732 zurück, doch wurde 864 das alte Gebäude abgerissen, um einer neuen Moschee in den heutigen Ausmaßen Platz zu machen. Das Minarett wurde erst im 19. Jh. errichtet. Die Djamaa Ez-Zitouna ist zur Besichtigung geöffnet, mehr als ein Blick in die große Säulenhalle jedoch nicht erlaubt. Viele der Säulen stammen aus Karthago. Die Ölbaummoschee war nicht allein Gebetsstätte, sondern ebenso die älteste Universität der Welt, deshalb waren Buchläden in ihrem Umkreis sehr wichtig. Heute liegt die Hochschule vor den Toren der Stadt, und es gibt nur noch wenige Läden, die Bücher mit wertvollen Ledereinbänden und Goldschrift anbieten. Die Schmuckhändler haben nun diese Ladenstraße erobert. Im Umkreis dieses wichtigen Touristenzieles finden sich viele Schlepper, die die herrliche Aussicht von den Dachterrassen der Teppichhäuser anpreisen und so Kunden gewinnen wollen.

Der touristische Rundweg lässt nun zwei Varianten zu. Die Rue Djamaa Ez-Zitouna führt direkt zur Porte de France und zum Boulevard Habib Bourguiba. Die Straße ist fest in der Hand der Souvenirhändler und Touristen. Dort wird man von jedem Händler angesprochen und in den Laden gelockt. Angeboten werden buntbestickte Kaftane, Leder-, Messing- und Holzwaren sowie Schmuck. Eine Besonderheit der Souks von Tunis sind einige Händler, die sich auf alte Stickereien und antike Fest- und Brautkleider spezialisiert haben. Selbst wenn man nicht an einem Kauf interessiert ist, sollte man sich diese feinen Stücke - teils mit winzigen Silberpailletten - einmal ansehen, heute findet man niemand mehr, der solche Handarbeiten ausführen kann, der Nachschub für diese Läden ist nicht mehr gesichert. Das Haus Nr. 14 nach Ende des gedeckten Souks ist eine ehemalige katholische Kirche aus dem 17. Jh. Die Porte de France (Bab Bhar) ist der einzige Überrest der alten Stadtmauer, die einst die Medina umschloss und von den Franzosen niedergerissen wurde. Die zweite Straße, die von dort aus die Medina kreuzt, die Rue de la Kasbah, ist mehr Einkaufsstraße der Einheimischen und führt direkt zum Kasbah-Platz.

Souk Attarine - Die zweite Möglichkeit geht zurück zum Place de la Kasbah durch den Souk Attarine mit seinen tausendundeinen Wohlgerüchen. Schon an der Moschee sind zahlreiche Parfümerien, die Händler erklären die verschiedenen Düfte, ein kleines Fläschchen dieses Rohstoffs, der noch mit Alkohol vermischt werden kann, ist nicht teuer (handeln!). Der Souk Attarine prangt in den Farben weiß, rosa und hellblau. Die Körbe und Kissen aus mit Pailletten verziertem Satin gehören zu einem Hochzeitsfest unbedingt dazu. Die Familie des Bräutigams packt in einen solchen Korb die traditionellen Schönheitsmittel, die zur Vorbereitung der Braut notwendig sind, vor allem das glückbringende Hennah, ein grünes Farbpulver, mit dem auf Hände und Füße ein Rankenmuster aufgetragen wird, die Farbe wird nach einer mehrstündigen Einwirkzeit rot. Auf den Satinkissen wird diese Arbeit vollzogen, die Hände mit Tüchern umwickelt und in den passenden, großen Satinhandschuhen getrocknet. Die fünfarmigen Kerzen sollen dem jungen Paar Glück bringen, sie werden neben dem Brautbett platziert. Eine wichtige Rolle bei diesen Festen spielen die Parfümextrakte.

Fortsetzung ist der Souk Et-Trouk (Türkensouk), der jedoch heute fest in der Hand der von Djerba stammenden Souvenirhändler ist. Dort ist das hübsche, arabische Café M'Rabet, schon von außen an seinen rotgrünen Säulen zu erkennen ( Tipp: Dort sauberste Toilette der Medina!). Auf Strohmatten sitzt Jung und Alt, schlürft Kaffee oder Tee und raucht Wasserpfeife. Bemerkenswert die vielen einheimischen Liebespaare. Das gleichnamige Restaurant im ersten Stock wird hauptsächlich von Touristen besucht. Täglich außer Sonntag werden bei Kerzenlicht tunesische Spezialitäten und Folkloremusik mit Tanzvorführungen geboten.

Vom Souk Et-Trouk empfiehlt sich ein kurzer Abstecher zur Rue Sidi Ben Arous mit dem Mausoleum des Sidi Ben Arous. Über Ben Arous, der als heilig gilt, gibt es viele Geschichten, so auch die über die Bekehrung eines Christen. Er baute - völlig allein - ein Haus und wollte die benötigten Steine mit Hilfe eines dünnen Bindfadens heraufziehen. Deshalb rief er vom Dach aus die vorbeigehenden Menschen an, ihm die Steine an den Bindfaden zu binden. Nur einer, ein Maltese, erfüllte ihm die Bitte. Er war so sehr davon beeindruckt, dass der dünne Faden das schwere Gewicht aushielt, dass er zum Islam übertrat und fortan sein Leben im Dienste des Heiligen verbrachte. Nach seinem Tod wurde er auf Wunsch von Ben Arous an dessen Seite in der Grabmoschee bestattet.

Gleich daneben die Moschee Hammouda Pascha (9) von 1655. Diese türkische Moschee hat ein achteckiges Minarett mit Rundgang und enthält das mit einem grünglasierten Pyramidendach gekrönte Mausoleum des Hammouda Pascha. Eine Besichtigung ist nicht möglich, doch kann man durch die vergitterten Fenster in den Moscheehof mit schwarzweißen Bogen blicken. In dieser Straße werden die roten Kopfbedeckungen aus Filz verkauft, die in den gedeckten Nebengassen, dem Souk El-Chechia, hergestellt werden. Dort kann man den wenigen verbliebenen Handwerkern bei der Arbeit zusehen und die einzelnen Arbeitsgänge beobachten. Die nur vom Vater auf den Sohn übertragbare Zunft genoss großes Ansehen, bis das Gewerbe - schon in der Kolonialzeit - durch Billigimporte maschinell gefertigter Mützen schwer beeinträchtigt wurde.

 
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