| Eine Woche Last-Minute nach Tunesien und
Land und Leute richtig kennen lernen? Das ist unmöglich! Die
Internet-Erfahrungsberichte über Tunis Air waren katastrophal: lange
Abfertigungszeiten, unfreundliches Personal, klapprige Maschinen,
halbgefrorenes Essen, kein Duty-Free Verkauf von Billig-Zigaretten für die
Süchtigen. Ich kam also ohne positive Erwartungen am Flughafen Frankfurt an
und wurde angenehm überrascht. Abfertigung verlief zügig, die 737 sah trotz
ihres Alters ganz ordentlich aus und Personal wie Essen waren völlig in
Ordnung, es gab sogar Bier oder Wein kostenfrei, was die meisten Airlines
inzwischen eingestellt haben.
Ich fand mich auf einem Gangplatz neben zwei deutschen Frauen, Mutter und
Tochter, wie sich herausstellte. Bis zur Landung in Monastir verflog die
Zeit in angenehmem Gespräch und ich lud sie ein, mal eine Fahrt mit mir zu
machen. Hatte ich doch einen Kleinwagen bei
Camel Car bestellt,
dem günstigsten und wohl auch einzigen tunesischen Vermieter, bei dem man
online buchen kann, und für jeden Tag eine Erkundungsfahrt für meinen
CD-Reiseführer geplant.
Wir hatten uns auf eine Woche Sonne gefreut, nachdem es im Februar in
Deutschland noch mal Schnee gegeben hatte. Die Ankunft kurz vor Mitternacht
im Hotel Marabout in Sousse verriet noch nichts, aber der Morgen war doch
eher kühl. Mein Wagen sollte um 9.30 Uhr am Hotel sein, aber schon um 9.05
Uhr fuhr er vor, ein silberner Polo mit Klimaanlage.
Medinabummel in Sousse
Der erste Tag war für Sousse reserviert. Beim Medinabummel die
Überraschung: ein bildschönes, nagelneues Café inmitten der Souks. Der
Besitzer zeigte mir stolz sein Werk, ein altes Medinahaus wurde liebevoll
restauriert und bietet auf vier Etagen Platz für die Gäste. Jeder Winkel und
die Wände sind mit alten Gerätschaften geschmückt, es ist mehr Museum als
Gasthaus. Hier gibt es nicht einfach "Thé à la menthe", nein, hier kann man
unter unzähligen Sorten wählen, mit Pinien, Pistazien, Mandeln ... Im Moment
ist es nur ein Caféhaus und offeriert neben den vielen Kaffee- und Teesorten
auch vorzügliche Törtchen, doch in Zukunft ist geplant, auch ein Restaurant
einzurichten, Platz genug ist jedenfalls in dem romantischen Gebäude, es
wird sicher bald zum Geheimtipp unter Touristen.
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| Und dann werde ich beim Bummel durch die
ruhigen Medinagassen, in denen keine Souvenirläden mehr sind, von einem Mann
angesprochen. Ob ich ein Marabout sehen möchte. Ja klar, so etwas
interessiert mich immer. Er führt mich zu einem unscheinbaren Hauseingang,
dort im Innenhof ein Brunnen und im Gebäude dahinter das Grab eines
"heiligen Mannes". Ein solcher Mann wie auch das Grabhaus werden Marabout
genannt, es gibt unzählige davon in Nordafrika und zu ihnen kommen die
Leute, um Beistand für diverse Probleme wie Krankheiten oder die Suche nach
einem Ehemann zu bitten. Das Grab des Heiligen war mit bunten Amuletten
geschmückt, jedes stand für eine Bitte an den Heiligen.
Die einzige Veränderung, die ich sonst noch in Sousse fand, war, dass die
altbekannte Eisenbahn nun nicht mehr mitten durch die Stadt fährt, wo sie
den belebten Platz Ferhat Hached ohne jede Schranke kreuzte. |