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Quer durch Tunesien

QUER DURCH TUNESIEN

von Edith Kohlbach ist im Werner Rau Verlag, Stuttgart, 1995 in 1. Auflage erschienen und inzwischen vergriffen.

Neuauflage in Vorbereitung im Verlag Edith-Kohlbach-Reisebücher

Here you can have this page translated:

Pour la traduction:

http://de.altavista.com/pos/babelfish/trns/

VOM WÜSTENSAND ZUM DAHAR-BERGLAND

Matmata mit seinen in das Kalkplateau gegrabenen Wohnhöhlen ist fester Bestandteil jeder Südtunesien-Tour. Doch birgt das Dahar-Bergland noch viel mehr landschaftliche und bauliche Schönheiten. Die Hügel liegen nur einige hundert Meter hoch, die höchsten Gipfel sind der Djebel Smertene mit 713 m und der Sidi Stout mit 689 m, doch ist es schon eindrucksvoll, wie schroff sich die kahlen Berge von der flachen Djeffara-Steppe erheben. Die Bevölkerung bestand, ehe die tunesische Regierung ein Programm zur Sesshaftmachung startete, traditionell aus Nomaden, die feste Sammelspeicher zur Aufbewahrung ihrer Lebensmittelvorräte und Wertsachen benötigten. So entstanden auf den Spitzen der Hügel, wo sie leicht zu verteidigen waren, sogenannte Ksour (Einzahl Ksar). Wie Bienenwaben wurden kleine Räume mit tonnengewölbten Dächern, die Ghorfas, neben- und übereinander gebaut, jede Familie einer Sippe besaß einen eigenen, abschließbaren Raum, der zur Aufbewahrung der Vorräte und im Falle eines Krieges als Zufluchtstätte diente.

Heute sind die meisten Gemeinschaftsspeicher nicht mehr in Gebrauch und verfallen. Doch einige wurden restauriert und als sehr originelle Hotels genutzt, die ich nur empfehlen kann (Metameur, Ksar Hadada). Der Ksar von Medenine wird von Touristengruppen überschwemmt, in den alten Speicherräumen haben sich Souvenirhändler einquartiert. Doch gibt es noch andere, von Besucherschwärmen nicht überrannte Ksour in malerischer Landschaft, die das Ansehen wesentlich mehr lohnen.

Während die Phönizier zunächst die Küsten, später auch die fruchtbaren Landesteile im Inneren beherrschten, war der äußerste Süden von unabhängigen Nomadenstämmen bewohnt. Erst Anfang des 3. Jh. n. Chr. schoben die Römer ihren südlichen Schutzwall, den Limes Tripolitanus, der bis dahin nördlich der Chotts verlief, in dieses Gebiet vor, die 3. Legion Augustus errichtete eine Postenkette zum Schutz der Karawanenwege und Wasserstellen. Militärische Festungen aus dieser Zeit finden sich in Ksar Rhilane, Bir Ghezene, El Ferch und Remada. Nach der Vertreibung der Römer durch die Vandalen und erst recht nach dem Einfall der Araber zogen sich die berberischen Ureinwohner in dieses schwer zugängliche Bergland zurück. Noch heute sind die alten Traditionen und die Berbersprache im Gegensatz zum übrigen Land erhalten. Doch die Arabisierung schreitet voran. Arbeitsplätze sind knapp, der karge Boden kann nicht alle ernähren, die Jungen wandern in die großen Städte ab, zurück bleiben die Alten und die Frauen.

19. DOUZ - KSAR RHILANE

¤  Entfernung: Rund 150 km.
è  Strecke: überwiegend gute Piste, für PKW nur bedingt zu empfehlen.
È  Alternativroute 19.1 Ksar Rhilane – Douz querfeldein.
¸  Reisedauer: ein ½ Tag.
z  Höhepunkte: Beeindruckende Wüstenlandschaft mit Dünen.

Ein Ausflug in das romantische Wüstencamp Ksar Rhilane ist jedem Reisenden mit einem geländegängigen Fahrzeug unbedingt anzuraten. Das ist Wüste pur! Die Mitnahme von Proviant Treibstoff und Wasser ist erforderlich, da es im Camp wenig Versorgungsmöglichkeiten gibt. Die Strecke ist eine gute Piste, stellenweise sehr sandig, die zum Teil über die Pipelinepiste verläuft. Trotz stellenweiser Sandverwehungen treffen immer wieder Pkw in Ksar Rhilane ein, ich würde es jedoch - vor allem wegen des mörderischen Wellblechs - nicht empfehlen.

è  Hauptroute:  Douz auf der Asphaltstraße nach Matmata verlassen. Im Frühjahr kann man in diesem brunnenreichen Gebiet häufig Nomadenzelte sehen. km 43 Bir Ghezene.  l

Der heutige Nomadenbrunnen, auch Sidi Mohammed Ben Aissa genannt, war in römischer Zeit Vorposten des Limes Tripolitanus und beherbergte eine Kohorte der 3. Legion Augustus. Ruinen des antiken Vezereos sind noch unter der Erde vorhanden. Heute ist an dieser Stelle ein kleines Wüstencafé, links geht eine Piste in 50 km nach Kebili.

è  Hauptroute:  Nach weiteren 7 km rechts zum etwas abseits gelegenen Café Sahara Centre abbiegen, das an einer früher wichtigen Pistenkreuzung liegt (N33°32’5, E09°32’1). Geradeaus auf der alten Piste nach Matmata weiter, kurz danach rechts (SO) abbiegen nach Bir Soltane. Auf der weiteren Strecke Wellblech und sandige Passagen. km 55 Abzweigung nach links ignorieren.

km 68 (N33°28'8, E09°41'8) Hier müsste man die breite Pipelinepiste treffen und rechts abbiegen. Manchmal passiert es aber, dass man zu weit nach Süden abdriftet und eine andere, breite Piste trifft. In diesem Fall links abbiegen, kurze Zeit später trifft man die Erdölpiste, dort nach Süden.  l

Erdölpiste - Diese breite, von Süd nach Nord verlaufende Piste dient zur Wartung der parallel dazu unter der Erde liegenden Pipeline, die algerisches Erdöl zum Verladehafen Skhirat bringt. Sie ist leicht an den herumliegenden schwarzen Rohren zu erkennen. Im Jahr 1958 baten die Franzosen, deren algerische Kolonie sich mitten im Befreiungskampf befand, Bourguiba um die Genehmigung, Erdöl aus den algerischen Förderstellen bei El Borma mittels einer Pipeline über tunesisches Gebiet zum Verladehafen am Mittelmeer zu befördern, um so Sabotageakten der FLN-Partisanen vorzubeugen. Das Projekt brachte mehreren tausend Tunesiern für drei Jahre Arbeit und Brot.

è  Hauptroute:  km 89 (N33°17'65, E09°44'03) An der Piste zwei kleine Cafés, rechts geht ein Weg in 2,5 km zu dem Brunnen Bir Soltane, der das beste Wasser der Region hat. Weiter geradeaus.

km 132 (N33°03'2, E09°46'6) Rechts geht eine Piste ohne jede Beschilderung zum Wüstencamp. Die Strecke ist sehr vom Sand zugeweht, für Pkw-Fahrer folgt hier die Bewährungsprobe.

km 148 Man trifft, vorbei an einigen Hütten, das in einem Tamariskenwald liegende Camp. Immer rechts entlang zum alten Camp mit einem aus einer heißen Quelle gespeisten See (N32°59'3, E09°38'5).  l

Ksar Rhilane

Eine Quelle mit warmem, aber nicht trinkbarem Thermalwasser liegt in einem schattigen Tamariskenwäldchen, umgeben von herrlichen, meterhohen Sanddünen, ein romantisches Plätzchen. An Bewohnern gibt es nur einige Oasenbauern, Nomaden und Soldaten eines kleinen Militärstützpunktes, die gerne zum Baden an die Quelle kommen. Sie wurde vor ein paar Jahrzehnten bei Probebohrungen nach Erdöl entdeckt.

Zu Anfang gab es nur ein kleines Camp mit Nomadenzelten, das den wenigen Reisenden Unterkunft bot, Verpflegung musste mitgebracht werden. Heute hat der Massentourismus Ksar Rhilane entdeckt, am Abend treffen ganze Karawanen von Geländewagen ein. Zwei neue Camps mit Toiletten und warmen Duschen wurden gebaut, es gibt sogar schon richtige Hotelzimmer. Die alte, romantische Atmosphäre ist am Verschwinden. Aber an der Quelle oder versteckt unter den Tamarisken kann man immer noch Einzelreisende mit ihren schweren Geländefahrzeugen sehen, die den tagsüber stillen Platz als Treff- und Ruhepunkt lieben. Außerhalb an der Quelle kann man kostenlos kampieren. Zwar versuchen immer wieder junge Burschen, eine Gebühr zu kassieren, sie haben aber kein Recht dazu. Trinkwasser und Verpflegung sind mitzubringen. Als Versorgungsmöglichkeit bleibt sonst nur, einem der Nomaden eine Ziege abzukaufen.

Auf der Höhe vor dem Dorf ragt ein Obelisk auf, der gerne als Landmarke genutzt wird. Er wurde zu Ehren von General Leclerc errichtet, die Erinnerungstafel aber nach der Unabhängigkeit herausgerissen. 

General Leclerc - Held des freien Frankreichs

Leclerc, 1940 noch Hauptmann und zweimal aus deutscher Gefangenschaft geflüchtet, wurde von De Gaulle mit der Niederwerfung des Vichy-Apparates in den Zentralafrikanischen Staaten beauftragt. Nach einem beeindruckenden Erfolg in dieser Mission startete er am 25.1.1941 aus dem Nord-Tschad mit 350 Mann, 100 Fahrzeugen und einem 75 mm Geschütz zu seinem legendären 800 km Fußmarsch nach Norden und eroberte am 1.3.1941 die Kufra-Oasen in Libyen. Von dort unterstützte er durch Stosstruppunternehmen die 8th Army gegen Rommel, vereinigte sich mit dieser im Januar 1943 und nahm weiter im Feldzug gegen Tunesien teil. Montgomery setzte die wüstenerfahrene Truppe an seiner linken Flanke, also im Süden ein. Am 10.3.1943 wurde Leclerc im Bereich der Oase Ksar Rhilane von einer deutschen Panzerkampfgruppe angegriffen. Diesen Angriff konnte er mit Unterstützung der Royal Airforce zurückschlagen.

Leclerc nahm später mit der nunmehr zur 2. Division Blindée aufgewachsenen Kampfgruppe an der Landung in Frankreich und an der Befreiung von Paris teil, seine alten Tschad-Kämpfer hissten im November 1944 auf der Straßburger Kathedrale die Trikolore und seine Kampfgruppe stand am 8.Mai zur Kapitulation der Deutschen in Berchtesgaden in der unmittelbaren Nähe des Obersalzberges, Hitlers ehemaliger Residenz. Diese Operationen machten Leclerc zur Symbolfigur im Kampf Frankreichs gegen das Dritte Reich.

Nach dem Krieg war Leclerc in Indochina stationiert, bis er schließlich Generalinspektor der französischen Streitkräfte in Nordafrika wurde, wo er am 28.11.1947 bei einem Flugzeugabsturz starb.

Quelle: http://www.scorpiontrophy.de/Rommel.htm

Praktische Hinweise – Ksar Rhilane

(  Telefonvorwahl: (00216) 075

y  Hotels: Alle Camps bieten Übernachtung mit Halbpension im Nomadenzelt, aber auch Camping möglich (ab 3 TD, 04.00), alle mit Alkoholausschank. Kameltouren von einem Tag bis zwei Wochen können organisiert werden.

Pansea, Tel. 900 506, http://www.pansea.com/ksar.html. Diese asiatische Hotelgruppe hat 60 bestausgestattete Zelte mit Air Condition und Heizung, so dass auch in der Wüste keine Unbequemlichkeit entsteht. Neben einem Pool gibt es auch ein Solarium, unverzichtbar in der Sahara!

l’Erg, Tel. 434 108, Fax 434 017.

Le Paradis, Tel. 470 225.

Ksar Rhilane, Tel. 460 462. Direkt an der Quelle ist das älteste Camp, dort gibt es ein Restaurant und eine Bar mit Alkoholausschank.

Treibstoff: 1998 wurde in der Nähe des Camp l’Erg eine Tankstelle eröffnet (mit Preisaufschlag), sie ist aber häufig geschlossen und hat minderwertigen Treibstoff. Wenn sie gerade keinen Treibstoff hat, kann man im Dorf am Ende der Teerstraße Sprit erhalten (durchfragen, sehr teuer).

Ausflug zum Ksar Tisauar

Der Ksar liegt etwa 3 km westlich in den Dünen und ist zu Fuß (im Sommer vermutlich viel zu heiß!), mit dem Kamel, aber auch mit Geländefahrzeug querfeldein erreichbar (N33°00'5, E09°37'0). Von der Anhöhe bietet sich ein herrlicher Blick über die Wüstenlandschaft. Das Fort ist ein beliebtes Ziel für Motorradfahrer, die mal ohne jedes Gepäck über die höchsten Dünen brausen wollen, ein tolles Erlebnis. Für Geländewagen ist die Tour auf der deutlich erkennbaren Dromedarspur ohne Führer möglich, erforderlich sind aber große Erfahrung im Dünenfahren und notfalls ein paar Leute zum Schieben. Im Camp wird ein etwa zweistündiger Kamelritt über die Dünen zum Fort angeboten.

An der Festung vorbei führt eine alte Piste direkt nach Douz, siehe Route 19.1.

Auf einer kleinen Anhöhe, umgeben von den mächtigen Sanddünen des Großen Erg Oriental, liegen, 5 km vom Camp entfernt, die Reste des antiken Militärlagers Tisauar. Hier, an der Südgrenze der römischen Provinz Africa, verlief der Festungswall Limes Tripolitanus, der die Kolonie beschützen und die Karawanenwege mit den Wasserstellen sichern sollte. Der Originalgrundriss des von der 3. Legion Augustus im 2./3. Jh. n. Chr. errichteten Postens ist noch deutlich zu erkennen, in der Kolonialzeit wurde das Fort von den Franzosen genutzt. Eine Mauer mit einem einzigen, arkadenüberwölbten Tor im Westen umschließt ein Rechteck von 30 x 40 m, die Mannschaftsräume waren direkt an der Mauer errichtet. Im Innern ist ein Querbalken mit der römischen Inschrift JOV OPT MAX VIC erhalten, d.h. Jovis optimus maximus victus (Jupiter, der mächtigste und größte Sieger). Außerhalb der Mauer waren eine kleine Kapelle und mehrere Backöfen. Stellenweise lugt unter den Sanddünen noch das Pflaster der alten römischen Militärstraße hervor. 

 
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