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Oudref

Unter den Touristen völlig unbekannt, aber für Teppichliebhaber ganz besonders zu empfehlen ist 16 km nördlich von Gabes ein Abstecher von der P 1 Richtung Gafsa.

Oudref mit seinen 12.000 Einwohnern ist auf den ersten Blick ein unscheinbarer Ort. Aber seine Entwicklung in den letzten Jahrzehnten ist typisch für die Aufwärtsentwicklung des tunesischen Staates. Noch zur Kolonialzeit Marktzentrum eines Beduinenstammes mit wenigen festen Häusern, haben heute die meisten Einwohner mittleren Alters eine solide Ausbildung genossen und arbeiten in qualifizierten Berufen. Viele neue, von außen unscheinbare Häuser sind entstanden, innen aber modern mit Küche und Bad ausgestattet.

Es gibt keinerlei Hotel, daher ist für eine Übernachtung das nahegelegene Gabes zu empfehlen.

Die Frauen sind berühmt für ihre handgewebten Mergoum-Teppiche. Der Oudref-Teppich, auch Oudref-Mergoum genannt, ist eine spezielle Variante des Mergoum und wie andere Mergoum aus reiner Kurzhaar Schurwolle handgewoben. Die traditionellen Oudref haben dreieckige und rhomboide Motive, wie sie von den Kelim bekannt sind. Eine berühmte Variante ist der Teppich Jendar, der auch typische Motive aus dem Süden Tunesiens enthält. Die feine Ausführung Ghani wird durch die Verwendung von mindestens drei Farben gekennzeichnet, was ihr eine reichere Textur verleiht.

 

 

Nahezu jede Frau übt diese Heimarbeit aus, deren Kenntnis von der Mutter auf die Tochter vererbt wird. Während früher als "Diplom" für die Heiratsfähigkeit der jungen Mädchen vor allem die Kunst des Mergoumwebens gefragt war, suchen die jungen Männer heute jedoch eine Braut, die noch dazu einen Beruf ausübt. Genau wie in Europa arbeiten die meisten Ehefrauen in Büros, Schulen oder Krankenhäusern und kümmern sich nebenbei um Haushalt und Familie, tatkräftig unterstützt von ihren Männern. Bemerkenswert für einen Ort so weit im Süden. Doch auch die berufstätigen Frauen sitzen jede freie Minute am Webstuhl.
Die Société de Tapis (8 - 12, 15 - 19.30 Uhr) kümmert sich um den Verkauf der Teppiche, die mit einem Kontrolletikett versehen werden. Angeschlossen ist eine große Spinnerei, die Wolle auch in andere Landesteile verkauft. Jedes Jahr Ende Juli findet das Festival der Mergoum-Teppiche statt. In der Grundschule werden die besten Arbeiten ausgestellt, die Muster erklärt und der Webstuhl vorgeführt, aber auch die Tradition des Stammes gezeigt, z.B. der Ablauf einer Hochzeit. Für die Weberinnen sind diese zehn Tage ein besonderes Fest, ist es doch die einzige freie Zeit des Jahres.

Links die kleine Fertigungsstätte, in der die frisch geschorene und gesponnene Schafwolle aufgespult wird.

Zur Genossenschaft an der Tankstelle am Ortseingang rechts abbiegen. Auskunft gibt auch der Beauftragte für das Festival, Zribi Fakhri, bei der Municipalité. Wer schon einmal in einem Teppichladen über Preise verhandelt hat, wird erstaunt sein, wie preiswert hier Teppiche und die schönen Satteldecken angeboten werden, man rechnet mit etwa 32 TND pro qm.

Vielleicht kein so schlechter Gedanke, wenn man mit dem Einkauf eines Urlaubssouvenirs bis nach Oudref wartet, hier kommt das Geld tatsächlich den Produzentinnen zugute und nicht den ansonsten den Großteil einsteckenden Teppichhändlern.

Am schönsten ist es jedoch, wenn Sie zufällig jemand kennen lernen und wie ich zum Tee oder Essen in ein Haus gebeten werden. Dann lernen Sie nicht nur die berühmte tunesische Gastfreundschaft kennen, sondern bekommen vielleicht auch noch die Teppiche gezeigt, die von den Damen des Hauses hergestellt wurden.

Beim Abschied sollte man jedoch zwei Dinge nicht vergessen. Erstens Adressen aufschreiben, denn die Familie wird wirklich sehnsüchtig auf die so reichlich geschossenen Fotos warten, und zweitens ein Abschiedsgeschenk (das gilt natürlich nicht für gutsituierte Familien). So gastfreundlich und großzügig die Menschen sind, so erwarten sie doch eine Gabe zum Abschied. Nicht nur, weil der Fremde so viel reicher ist als sie selbst und man das beste gegeben hat, sondern einfach auch, weil es seit Jahrhunderten Tradition ist. Der berühmte Einsiedler Charles de Foucauld schrieb über seine Marokko-Reise im Jahr 1883: „Die Gastfreundschaft wird umsonst gewährt, aber es wäre unhöflich, wenn man seinen Dank nicht mit einem angemessenen Geschenk zum Ausdruck brächte: Zucker, Tee, Korallen oder Hammel."

Hammel sind heute nicht mehr notwendig, aber Zucker und Tee immer noch sehr geeignet. Ich löse das Problem jedoch meist auf eine andere Art. Schon lange vor einer Reise bitte ich alle Freunde, abgelegte Kleidungsstücke zu sammeln, vor allem T-Shirts, Jeans, Hemden, Pullover, Kinderkleidung und Spielzeug. So habe ich immer genügend Gastgeschenke, die mich nichts kosten und bei meinen Gastgebern sehr willkommen sind. Bitte nicht traurig sein, wenn die Familie die Geschenke nicht sofort auspackt, dies gilt als unhöflich, denn der Gast soll nicht an der Größe seines Geschenkes gemessen werden.

Auch bis in die Nähe von Oudref drangen schon die Römer vor, wie sich noch an wenigen Relikten zeigt. Die meisten der alten Bausteine wurden jedoch – wie so oft – später zum Bau der Wohnhäuser verwendet.

 
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